Krivánska Malá Fatra (Nördliche Mala Fatra), Slowakei

 

 

 

 

 

 

 

Vom Riesengebirge zum Altvatergebirge Wandersymbol für Wanderberichte

Im Jahre 2004 auf dem europäischen Fernwanderweg E3,  aufgezeichnet von Felix

 

Samstag, 21.08. Zugfahrt Heidelberg – Trutnov (Trautenau)

Pünktlich um 7:00 Uhr konnte Wanderführer Wolfgang im Heidelberger Hauptbahnhof  den "harten Kern": Klaus, Harald und Felix, begrüßen. Im Jahr 2003 waren es noch acht Teilnehmer auf dem Fernwanderweg E3 gewesen. Zipperlein der verschiedensten Art waren für den massiven Schwund verantwortlich. Über Stuttgart-Nürnberg-Pilsen ging es zunächst nach Prag. Im Hauptbahnhof tauschte man Euro in tschechische Kronen. Mit 1:30 war der Kurs noch wie im Vorjahr. Schwarzhändler, die Kurse von 1:42 anboten, sorgten für Amüsement. Auch ein Nachtsichtgerät - wahrscheinlich Hehlerware - wurde uns für 25 € angeboten. Weiter ging die Fahrt nach Chlumec nad Cidlinou. Dort stiegen wir um in die Ferkelbahn nach Trutnov (Trautenau). Sie hält im wahrsten Sinne an jeder „Milchkanne“ Ferkelbahn am Bahnhof von Adersbachund fährt nicht sehr schnell. Dadurch lässt sich das Leben in Wald, Feld und in den Dörfern gut beobachten. Fast jedes Haus hat einen Garten mit Gemüse, Obst und Blumen. Häuser mit sozialistischem Grau werden glücklicherweise immer seltener. Großflächige Wiesen und Felder wechselten sich mit Fichten-, Tannen- und Birkenwäldern ab. Das Getreide war noch nicht abgeerntet. Weiße Plastikballen aus Gras lagen verstreut oder auf Haufen zusammen. Kleine Fabriken waren selten. Die tschechische Bahn arbeitet noch mit sehr viel Personal. Es gibt noch Schaffner, Fahrkartenverkäufer und jeder Bahnhof hat einen Stationsvorsteher mit einer roten Mütze auf dem Kopf, von uns „Rotkäppchen“ genannt. Insgesamt sind die Züge, Technik und Bahnanlagen veraltet. In Trutnov (Trautenau) erheiterten uns auf dem Weg zu unserem Hotel „Adam“ einige tschechische Jugendliche mit Irokesenschnitt und Kampfstiefeln, offensichtlich nicht nüchtern.
Bei exzellentem Schwarzbier und einem guten Abendessen in einem Altstadtlokal, aus dem Jahr zuvor bekannt, ließen wir den Tag harmonisch ausklingen.

 

Sonntag, 22.08. Trutnov (Trautenau) – Broumov (Braunau)    

175 km wollen in diesem Jahr erwandert werden.
Nach einem sehr guten Frühstück und der Mitnahme einer Vesper für das Mittagessen – das Hotel „Adam“ kann man weiter empfehlen – ging es frühmorgens wieder zum Bahnhof. Schlecker, Lidl, Wüstenrot und ABB, solche bekannten Namen sind in Tschechien längst vor Ort. Auch dieses Jahr wurden wieder Glücksmünzen von der Brücke kurz vor dem Bahnhof in den Fluss geworfen. Mit der Ferkelbahn fuhren wir dann zu den Adršpašské skály (Adersbacher Felsen). Der Himmel war mit schwarzen Regenwolken bedeckt, aber es blieb den ganzen Tag über trocken. Mittags schien sogar manchmal die Sonne. See am Eingang zu den Adersbacher Felsen
In Nordostböhmen zwischen den Kämmen des Riesen- und Adlergebirges liegen die Adersbacher und Wekelsdorfer Felsen, eine einzigartige Felsenstadt. Durch das ausgedehnte Labyrinth der Felsentürme mit tiefen und kühlen Schluchten windet sich der Fluss Metuje (Mettau) hindurch, der hier unweit seiner Quelle eher noch ein Bach ist. Obwohl die Felsenstädte als Naturschutzgebiete gesetzlich streng geschützt sind, kann jeder Besucher ihre Schönheit dank einem touristischen Rundweg bewundern, der die interessantesten Aussichten und Stellen umfasst.

Die Wanderung begann an einem wunderschönen See, in dem sich die hohen Felsgebilde und der Wald spiegelten. Kleine Abstiege wechselten mit längeren Aufstiegen, unterbrochen von Aussichtsplattformen. Wasserfälle und kleine Seen sorgten für Abwechslung.

Viele berühmte Persönlichkeiten haben die Adersbacher Felsenstadt besucht. Auch der geologisch sehr interessierte große Dichter Goethe war hier. Eine Bronzebüste erinnert heute noch an ihn. In früheren Zeiten suchten die Menschen Schutz in den Felsen, wenn Krieg herrschte. Die Sandsteinfelsen gelten auch als Paradies für Kletterer aus der ganzen Welt. Schwarzstörche, Eisvögel und Fischreiher gibt es hier in den Sümpfen. Bussard, Falke und Habicht leben in den Felswänden. Farnkräuter, Heidekraut, Preisel- und Heidelbeeren, Buchen, Birken und Fichten wechseln sich ab. Die meisten großen Felsen haben phantasievolle Namen, wie „Geier“, „schlafender Schwan“, „Rübezahls-Backenzahn“, „Zahnstocher“, „Karl IV.“, „Pfarrer“ und „Messdiener“, „Dragonerhelm“, „Liebespaar“. Nicht immer war die Übereinstimmung von Felsen und Bezeichnung vorhanden. Die Phantasie hat hier oft e

Hotelanlage Veba am Stadtrand von Braunau

Auffallend an diesem Sonntag waren auch die vielen polnischen Besucher – vor allem Familien – im Naturschutzgebiet. Unsere Freude auf ein kühles Bier am Ende des Felsenmeeres wurde durch die Auskunft: “Alles besetzt! – Zutritt gesperrt!“ vor einer Gaststätte erheblich gedämpft. Hier ließ der diskrete Charme des Sozialismus noch grüßen. 15 angenehme Kilometer waren wir heute gewandert.
 
Mit der Ferkelbahn fuhren wir dann nach Broumov (Braunau).
Übernachtet wurde hier in der ehemaligen Fabrikantenvilla „Veba“,
heute Hotel und Restaurant.
Die Villa liegt inmitten eines schönen Parks mit Wasserbecken.

 

 Montag, 23.08. Broumov (Braunau) — Náchod (Nachod)
Aufstieg zu den Braunauer WändenMontags morgens ging es nach dem Frühstück gleich zur Sache. Der Aufstieg in die Broumovské stĕny (Braunauer Felswände) mit ca. 12 – 15 kg Gepäck auf dem Rücken brachte uns ganz schön ins Schwitzen. Zunächst ging es steil bergauf zum Kirchlein „Stern“ auf dem Berg Hvĕzda. Mit einer Schulklasse, ca. 13-14-jährige Schüler, lieferten wir uns ein kleines Wettrennen. Im Vergleich mit den Jungen Teil der Braunauer Wändenschnitten wir Alten dabei gar nicht schlecht ab. Oben wurden wir mit einem herrlichen Rundblick auf das Riesen-, Glatzer- und Adlergebirge belohnt. Der Wettergott war uns heute wieder hold. Es war sonnig und auch von den Temperaturen her ideales Wanderwetter. Auf dem Berg liefen wir dann auf schmalen Pfaden durch Felsen weiter, immer wieder boten sich schöne Aussichten.

Erstmalig, so etwas war noch nie geschehen, wurden wir von zwei Jugendlichen und zwei Frauen, eine davon war sogar gehbehindert, beim Gehen überholt. Eine Ausrede war bei uns jedoch schnell parat: Unser schweres Gepäck ist schuld!“

 ZRathaus von Nachodu erwähnen sind auch die vielen Informationstafeln und Hütten zum Ausruhen für Wanderer, auch die Wege waren gut ausgeschildert, so dass wir eigentlich immer richtig auf dem Weg blieben. Bildstöcke und Kapellen waren oft erneuert und sauber angestrichen, sehr oft in Deutsch beschriftet. Unsere Wanderstrecke an diesem Tag betrug 22 km.
Das letzte Stück bis zu unserem Tagesziel Náchod fuhren wir mit dem Bus. Durch die Fußgängerzone gelangten wir dann zum Marktplatz. Hier übernachteten wir im Jugendstilhotel „U Beránka“ („Zum Lamm“).
Wir erfuhren zu unserer Überraschung, dass in Náchod die Heidelberger Druckmaschinen AG eine größere Werksniederlassung hat.
   
Náchod ist die Stadt des Jugendstils. Besonders das Rathaus am Marktplatz ist ein Prunkstück. Dieses Jahr wird die Stadt 750 Jahre alt. Eine Reihe von Konzerten und Veranstaltungen sind deshalb geplant. Überragt wird die Stadt von einem mächtigen Schloss.

 

Dienstag, 24.08. Náchod – Deštné v Orlických horách (Deschney)

Bei schönem Wetter stiegen wir morgens die Treppen hinauf zum Schloss der StSchloss der Stadt Nachod. Oberhalb der Stadtadt. Die ehemalige Burg Karls IV., auf dem Weg von Prag nach Breslau weilte er öfters mit seinem Hofstaat hier, ist neu renoviert und verfügt auch über ein ansehnliches großes Gartengelände.
 
Für uns war jedoch das Gehege mit den zwei Braunbären besonders anziehend. Wahrscheinlich, weil auf dem Fernwanderweg E3 bald die slowakische Grenze überquert wird und dort in der Kleinen bzw. Hohen Tatra Begegnungen mit Braunbären nicht selten sein sollen. Kurse, wie man sich Braunbären gegenüber verhält, werden deshalb empfohlen!
 
Nach der Rückkehr in die Stadt wanderten wir im schönen Laubwald an dem Flusse Metuje (Mettau) entlang. Als wir einige Kilometer von der Fluss Mettau kurz vor dem Ausflugslokal PekloStadt entfernt waren, sahen wir größere Mengen von Forellen, auch einen Angler mit Fliegenköder. Bald war unser Ziel „Nové Mĕsto nad Metují“ (Neustadt an der Mettau), die Stadt auf dem Berg, erreicht. Zwei große steinerne Braunbären bewachen dort das Tor zum Schloss. Auf einer Mauer stand eine ganze Reihe lustiger barocker Zwergenfiguren.
 
Leider verstanden wir bei der Führung auf Tschechisch so gut wie nichts. Eine Beschreibung der einzelnen Räume auf Deutsch erhielt jedoch jeder von uns. Riesige Deckengemälde, Kachelöfen, Geweihe, Fürstenbilder, Mosaikwände, Schlafzimmer und Esszimmer des Adels sind sehenswert.
Im Schlossgarten mit vielen Rosen und Buchsbäumchen ist vor allem die alte Holzbrücke über den einstigen Schlossgraben sehenswert.
Ein Blick vom Turm des Schlosses auf die mittelalterliche Altstadt beendete den Rundgang.
   
Anschließend machten wir einen Bummel über den viereckigenMarktplatz der Stadt Neustadt an der Mettau. Blick vom Schlossturm Marktplatz mit Arkadengängen. Überall waren Kneipen und Geschäfte. Im Hinterhof eines Cafes wurden auf einer Großleinwand die Olympischen Spiele in Athen übertragen.
13 km betrug die heutige Wanderstrecke auf sehr angenehmen Wegen dem Fluss entlang.
  
Mit dem Bus fuhren wir dann ins Orlické hory (Adlergebirge) nach Deštné v Orlických horách (Deschney), wo wir in der Pension „Arnika“ übernachteten.
Da wir viele Fische in der Mettau gesehen hatten, war klar, was es zum Abendessen geben sollte. Die Forellen in einem Lokal neben unserem Gästehaus schmeckten ausgezeichnet. Ein 70-jähriger Tscheche setzte sich später zu uns an den Tisch und behauptete ein guter Freund von Wernher von Braun gewesen zu sein. Sein Sohn jedoch sei „Kriminaler – sitze im Gefängnis und das nur wegen Bum-Bum, hohoho!“ Dadurch wurden wir etwas vorsichtiger ihm gegenüber, aber es gab mit ihm viel zu lachen.

 

Mittwoch, 25.08. Deštné v Orlických horách (Deschney) - Řičky (Ritschka)  

Deštné v Orlických horách im Orlické hory (Adlergebirge) ist ein kleiner Wintersportort mit zahlreichen Skiliften. Bei kühlerem, aber trockenem Wetter, marschierten wir morgens zunächst an einem Skilift steil hoch, etwa 400 Höhenmeter mussten bewältigt werden, bis wir auf dem Gipfel des 1.115 m hohen Velká Deštná (Deschneyer Großkoppe) standen. Viele Steinpyramiden, die Ortsnamen darstellten, waren hier oben unterhBergweg auf dem Kamm des Adlergebirgsalb eines Hochstandes von verschiedenen Besuchern aufgehäuft. Dunkle Regenwolken hingen am Himmel, aber Petrus öffnete die Schleusen glücklicherweise nicht. Im weiteren Verlauf der Strecke trafen wir dann auch auf Waldgebiete, die abgestorben waren, wie im Riesengebirge. Kahle, dürre Baumstümpfe – ein anklagendes Bild. Wir durchquerten auf schmalen Pfaden kleine Hochmoore mit seltenen Tieren und Pflanzen. Die Fernsicht zum Eulengebirge und Glatzer Schneegebirge war ausgezeichnet. Gelegentlich informierten, auch in deutscher Sprache, Hinweistafeln über Flora und Fauna dieser Gegend. Heidelbeeren, Himbeeren und Walderdbeeren am Wegesrand mundeten uns vorzüglich. Kurz vor dem Ziel, dem  Hotel „Michal“ in Řičky (Ritschka), wurde es noch einmal anstrengend. Das Sprichwort der WaFü habe uns einen „Misthaufen vor die Haustür gesetzt“ machte die Runde. Das Hotel „Michal“ wird von einem dynamischen jungen Wirt geleitet, der kräftig in die Zukunft investiert. Das Tagespensum betrug 21 km.

 

Donnerstag, 26.08. Řičky (Ritschka) — Králiky (Grulich)

Der verängstigte – unsere Truppe muss doch sehr schlagkräftig aussehen – Koch des Hotels fuhr uns zunächst mit seinem klapprigen Lada wieder zurück auf den Kammweg. Von Bunkeranlage im Adlergebirgedort war es nicht mehr weit bis zur Artilleriefestung „Hanička“ (Herrenfeld). Im Hof der Festung stehen ein sowjetischer
T 34 Panzer  und verschiedene Geschütze des Zweiten Weltkriegs. Wir schlossen uns einer Führung – auf Tschechisch - durch die Anlage an, die 18 Meter tief unter der Erde stattfand. Die Festung wurde 1936 bis September 1938 für 426 Soldaten erbaut. Am 10.10.38 wurde sie im Zuge der Sudetenkrise der deutschen Reichswehr übergeben. Die 110 mm Flakgeschütze waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht montiert. Die Anlage ist ein Teil der ca. 10.000 Bunker, die die Tschechoslowakei in der damaligen Zeit gegen das deutsche Reich errichtete. Man erwartete den Angriff aus Schlesien.
 
Bis 1974 war die Festung nach dem Zweiten Weltkrieg frei zugänglich, wurde 1974 von den Kommunisten reaktiviert (Atomkriegsgefahr) und ab 1995 kann sie wieder von der Bevölkerung besichtigt werden. Auch an den nächsten beiden Tagen sahen wir immer wieder Bunker, besonders in der Gegend von Králiky (Grulich). Von Hanička (Herrenfeld) aus ging es leider meistens auf Asphaltwegen weiter. In meinem linken neuen Wanderschuh hatte ich eine Druckstelle und musste meine Turnschuhe anziehen. Mit den Wanderschuhen in der Hand Hotel in Grulich– die Höchststrafe für einen Wanderer — dazu der heißeste Tag, nur Teerwege, ging es bei mir mit gedämpfter Stimmung weiter. Mehrfach führte der Weg unmittelbar an der tschechisch-polnischen Grenze entlang. Schmuggeln lohnt sich von beiden Ländern aus nicht. Wir kamen durch kleine Dörfer mit schlechten Busverbindungen. Land- und Forstwirtschaft bestimmen das strukturschwache Gebiet. Nach 27 km Fußmarsch erreichten wir erschöpft endlich Mladov (Wichstadt). Von dort ging es weiter mit der Ferkelbahn nach Králiky (Grulich), 5.000 Einwohner. Schon bei der Einfahrt in den Bahnhof grüßte rechts oben eine Wallfahrtskirche mit Kloster, der Hora Matky Boží (Muttergottesberg). Übernachtet wurde im Hotel Zlatá Labuť („Goldenen Schwan“) direkt am Marktplatz. Das gehobene Ambiente des Hotels mit seiner klassizistischen Fassade tat uns nach dem anstrengenden Tag besonders gut.

 

Freitag, 27.08. Králiky (Grulich) — Návrši Chata am Králický Sněžnik (Grulicher Schneeberg)

Schon früh fuhr ich mit Wolfgang mit dem Taxi nach Habertice (Ebersdorf), dem Geburtsort meines Vaters. Unterwegs besichtigten wir von außen die Brauerei in Hanušovice (Hannsdorf). Das Hannsdorfer Bier heißt heute „Holba“ und genießt in der Region einen guten Ruf.
In Habertice (Ebersdorf), 720-800 m gelegen, bot sich eine tolle Rundumsicht auf Adler-, Altvater- und Glatzer Schneegebirge. Kühe, Pferde, Schafe, Hühner und Enten verdeutlichten, hier lebt man noch von der Landwirtschaft. An der ehemaligen Schule war an der Vorderseite noch das Wort „Volksschule“ schwach zu erkennen. Kirche und Friedhof machten einen besseren Eindruck als 1993, als ich das letzte Mal dort war. Einige Häuser und Bildstöcke sind renoviert.
Nach der Rückfahrt nach Grulich ging es mit dem Taxi auf den Hora Matky Boží (Muttergottesberg). Leider war es oben sehr neblig, so dass der Blick auf die Stadt und die Umgebung nicht möglich war. Die
Kirche ist im barocken Stil erbaut. Ein Kreuzgang mit vielen Nebenaltären schließt sich an. Fast von jedem Heiligen gibt es große Gemälde zu besichtigen. Schon meine Großmutter war hierher gepilgert. 1950 wurden die Geistlichen in der CSSR in einer Art „Konzentrationslager“ interniert, u. a. auch auf dem Muttergottesberg. Sie lebten hier unter der Oberaufsicht kommunistischer Kommissare und mussten schwer im Wald, auf den Feldern und in den Viehställen des Grulicher Staatsgutes arbeiten. Erst von 1960-65 wurden sie entlassen. Die Wallfahrtskirche wurde erst im Jahre 1968 nach dem 2. Weltkrieg, zur Zeit des Prager Frühlings, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Renovierungen werden bis heute noch auch von Spenden ehemaliger deutscher Bewohner bestritten.

 Aufstieg zum Grulicher Schneeberg bei strömendem Regen

Im strömenden Regen brachte uns dann das Taxi nach Dolni Morava konečná (Mohrau) an den Fuß des Králický Snĕžnik (Grulicher Schneeberg). Regen, Regen war an diesem Tag unser ständiger Begleiter. In einem langen Anstieg mussten zuerst 600 Höhenmeter bewältigt werden. Oben ging es auf einem schmalen, wurzelreichen Pfad weiter. Überall Pfützen und Schlamm. Ein heftiger Wind brachte ständig neue Regenschauer. Absterbende Bäume, verursacht durch das schlesische Ruhrgebiet, Waldsterben auf dem Schneebergweit und breit. Mit unseren weiten Regenumhängen bot sich uns in dieser gottverlassenen Gegend ein gespenstiges Bild. Für nicht geringen Schrecken, besonders bei unserem Wanderführer, sorgte eine junge tschechische Wanderin. Völlig alleine überholte sie uns in diesem menschenleeren Gebiet. Unterhalb des Králický Snĕžnik (Grulicher Schneeberg) sehen wir zum ersten Mal auf dieser Wanderetappe das Wanderzeichen für den europäischen Fernwanderweg E3.
 

 

Froh, dem schlechten Wetter entronnen zu sein, erreichten wir nach 16 km die Bergbaude „NávršiChata“. Teilweise durchnässt, Hinweisschild über den E3-Weg auf dem Schneebergsogar die Wanderschuhe waren innen feucht, hieß es zunächst einmal Kleidung und Schuhe trocknen. Die warme Kartoffelsuppe und der heiße Tee mit Navrsi ChataSlibowitz weckten aber schnell wieder unsere Lebensgeister.
Von der Hütte aus bietet sich ein schöner Blick auf den Altvater und die Stadt Staré Mĕsto (Mährisch Altstadt). Eine Frau zeigte uns einen großen Korb mit Maronen, Butter- und Steinpilzen. Auf einem krummen Baum sah ich einen Baummarder. Die Baude war voll belegt und bei Gitarrenmusik wurde es ein schöner Abend.
Harald wurde zum Slawistikprofessor ernannt. Besonders bei Bestellungen in Restaurants und Geschäften haben uns seine slawischen Sprachkenntnisse beeindruckt. Vom „jablko“ (Apfelsaft) bis zum „pivo“ (Bier), von „krk“ (Hals) bis „krb“ (Kamin), Harald übersetzt alles.

 

Samstag, 28.08. Návrši Chata – Ramzová (Ramsau)

Bedecktes, aber gutes Wanderwetter erwartete uns am nächsten Tag. Nach einigen steilen Auf- und Abstiegen ging es ca. 5 km auf einem weichen schmalen Laubwaldpfad eben den Berghang entlang. Wohl mit einer der schönsten Wege auf der ganzen Strecke. Mountainbiker und andere Wanderer waren ebenfalls zahlreich unterwegs.

 

Schlesierhütte oberhalb des Ramsauer SattelsAuch ihnen war die Schönheit dieses Landstrichs nicht verborgen geblieben. Nach einer Ruhepause an einer Hütte führte uns ein lange aufwärts führender Höhenweg zur Horsky hotel Paprsek (Schlesierhütte), 1.030 m hoch. Die Schlesierhütte wurde 1932 vom deutschen Touristenverein aus Staré Mĕsto (Mährisch Altstadt) erbaut. Wir freuten uns schon auf eine warme Suppe, denn hier war die einzige Einkehrmöglichkeit an diesem Tag. Wegen einer Hochzeitsfeier im Hause gab es jedoch für uns nichts zu essen, sondern nur Getränke. Wir genossen noch etwas den schönen Fernblick und wanderten dann nur noch abwärts nach Ramzová (Ramsau). Die letzten acht Kilometer waren zu unserer „großen Freude“ geteert, wir durchquerten einen Wintersportort mit einigen Skiliften und Pensionen. Ramzová (Ramsau), 760 m hoch, liegt an einer eingleisigen Bahnstrecke nach Hanušovice (Hannsdorf) bzw. Krnov (Jägerndorf). Übernachtet wurde im vierten Stock des Hotels „Neubauer“. Da wir tagsüber viele Hirschspuren im Wald fanden, gab es Hirschbraten zum Abendessen. Wenig erfreut waren wir über unseren Nachbartisch. Auf dem Schoß einer jungen Frau saß ein kleiner Hund und sie fütterte ihn mit Eiscreme und Sahne. Auch Fleisch und Kartoffeln verschmähte er nicht. Ein wenig hygienischer Anblick im Speiseraum eines Hotels. 25 km waren wir an diesem Tag marschiert und daher legten wir uns bald schlafen.

 

Sonntag, 29.08. Ramzová (Ramsau) — Kurzovni pod Pradĕdem    

Heute stand sie an, die Königsetappe: Der Aufstieg zum Pradĕd (Altvater), 1491 m hoch.
Er ist der höchste Berg Schlesiens und Mährens. 22 anstrengende Wanderkilometer lagen vor uns. Es war sonniges schönes Wetter, mittags war es sogar 24 ° warm. Abends hatte ich sogar einen leichten Sonnenbrand. Wolfgang, unser Wanderführer, war an diesem Tag besonders früh auf. Wecken und noch einmal ein genaues Kartenstudium der Tagesstrecke werden von ihm akribisch genau und absolut zuverlässig durchgeführt. Er ist wirklich der „Hans Dampf Georgbaude im Altvatergebirgein allen Gassen“.
  Los ging es von Ramzová (Ramsau) mit der Seilbahn. 500 Meter wurden mit dem Sessellift auf den Serák (Hochschar) überwunden. Herrliche Rundsicht erwartete uns an der Chata Jiříhi (Georgsschutzhütte): Glatzer Schneegebirge mit dem Králický Snĕžnik (Grulicher Schneeberg) und die Stadt Jeseník (Freiwaldau) lagen vor uns. Weiter stiegen wir aufwärts zum Keprník vrchol 1423 m (Glasberg). Oben hilft eine Aussichtsrose bei der Orientierung. Auch der Praděd (Altvater) mit dem Fernsehturm auf dem Gipfel war zum ersten Mal zu sehen. Auf schmalen felsigen Wegen Wundertätiges Heidebrünnel auf dem Kammweg des Altvatergebirgesmarschierten wir an kleinwüchsigen Krüppelkiefern vorbei, immer wieder bergauf und bergab. Bald kamen wir an das Vřesová Studanka (Heidebrünnel). Laut einer Sage schoss hier vor vielen Jahren ein Förster einen Hirsch an und der heilte sich die Wunde mit dem Wasser dieser Quelle. Auch der Förster, der zu erblinden drohte, konnte sein Augenlicht mit dem Quellwasser retten. Viele Menschen wallfahrten daraufhin zu diesem Ort. Es ist deshalb kein Wunder, dass aus dieser Gegend zwei Meister des Wassers stammen: Vinzenz Prießnitz, der Gründer der ersten Wasserheilanstalt, und der Naturarzt Johann Schroth. In der Nähe des Heidebrünnels steht heute eine kleine Steinkapelle.
In dem kleinen Ort Červenohorské sedlo (Rotenberg Sattel) machten wir Mittagsrast. Skihänge mit Skiliften und Schneeraupen stehen hier für den Wintersport bereit. Danach erwartete uns erneut ein steiler Anstieg mit einem markanten Felsblock. Hier liefen wir abwärts weiter und kletterten dann wieder steil hinauf zum Velky Jezerník (1307 m). Den Gipfel bedeckt ein Moor, das wir auf einem Knüppelweg überquerten. Jetzt standen wir schon auf dem Gebiet des Naturreservates Pradĕd (Altvater), auf einer Fläche von 2000 ha werden alle wertvollen Gebiete in der Umgebung des höchsten Berges geschützt. Am Rand weitläufiger nach Süden ausgerichteter Wiesen tauchte dann die Berghütte Švýcárna (Schweizerhütte) auf. Bei ihr entspringt eine Quelle. 1829 ließ der Besitzer der Herrschaft, Fürst Lichtenštejn, hier eine Sennhütte einrichten, in der sich der gebürtige Schweizer Sennhirte Johann Aegerle aus Simmental bei Bern niederließ. So erhielt die Behausung ihren Namen Švýcárna (Schweizerhütte).

Schweizer Hütte unterhalb des Praded im Altvatergebirge

Švýcárna (Schweizerhütte) mit Blick zum Praded

Heute ist die Hütte eine Gastwirtschaft mit vier Übernachtungszimmern. Die Tische und Bänke waren an diesem Sonntag gut besetzt. Viele Jugendliche und Familien nutzten das schöne Wetter zu einem Ausflug in die Natur.Gipfel des Praded. Anstelle des alten Aussichtsturms steht heute ein Fernsehturm Der Pradĕd (Altvater), 1.491 m hoch, scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein. Etwa vier Kilometer führt der Weg dann noch zum Fernseh- und Aussichtsturm mit Restaurant auf den Gipfel. Die Asphaltstraße hinauf im Endspurt brachte uns noch einmal ins Schwitzen. Oben wurden wir mit einem traumhaften Ausblick rundherum belohnt. Hier herrscht das schroffste Klima in Mähren mit durchschnittlichen Temperaturen von 0,9 ° C.

 

 NSagengestalt Praded ein Helfer der Wanderer in schwierigen Situationenur Grasflächen mit Krüppelbüschen wie z.B. Bergebereschen und Wacholder widerstehen Schnee und Wind. Bei gutem Wetter wie an diesem Tag kann man von hier oben bis zum Riesengebirge oder in die Hohe Tatra sehen. Der mächtige Altvater ("Praded") ist laut der Sage Herrscher des Hrubý Jeseník (Altvatergebirges). Am häufigsten erscheint er als alter Mann  mit Vollbart. Gute Menschen belohnt "Praded", schlechte aber werden bestraft. Durch das schöne Wetter und die grandiose Aussicht hatte er uns tatsächlich belohnt.
Im Sporthotel „Kurzovni pod Pradědem“, unserem Übernachtungshaus direkt unterhalb des Gipfels, wurden dann noch einmal Erinnerungen an die „gute alte Zeit“ des Sozialismus wach. Zugluft und ein Zimmer ohne warme Dusche zwang uns zum Improvisieren. Ein Wanderkamerad hatte plötzlich das wassergefüllte Waschbecken in den Händen, rutschte aus und stürzte, blieb aber zum Glück unverletzt. Auch das Waschbecken hat den Sturz heil überstanden!

 

Montag, 30.08. Kurzovni pod Pradědem – Šumperk (Mährisch Schönberg)

Wieder war uns Petrus hold. Auch heute herrschte sonniges Wetter. Zunächst marschierten wir steil hinauf zum Vysoká hole (Hohe Heide). Auf dem Gipfel ist eine Kahlfläche Hohe Heide: Auf dem Kammweg des Altvaters. Blick zurück zum Pradedmit alpinem Bewuchs. Große Flächen sind mit Rispengras, Krüppelkiefern, Heidel- und Preiselbeeren bedeckt. Ein gut begehbarer Höhenweg beginnt hier oben mit stets schönem Ausblick. Besonders der Altvater wirkte imposant. An einer Schutzhütte trugen wir uns ins E3-Gipfelbuch ein. Bald darauf sahen wir zu unserem großen Erstaunen eine Herde wilder Gämsen. Immer wieder gab es besondere Aussichtspunkte auf großen Felsen. Kolkraben flogen am Himmel.

Es folgte ein Abstieg vom Altvatersteiler Abstieg über Baumwurzeln und Geröllschutt. Nach 14 km erreichten wir das Gasthaus Motorest Na Skřítku (Zum Berggeist), wo wir zu Mittag aßen. Die restliche Strecke fuhren wir mit dem Bus nach Šumperk (Mährisch Schönberg). Vom Busbahnhof wanderten wir dann durch die lebhafte Fußgängerzone zu unserem Hotel „Hansa“. Guter Komfort und freundlicher Service erwarteten uns hier. Das Heilbad in Velek Losiny (Groß-Ullersdorf) war bedauerlicherweise montags geschlossen. Šumperk (Mährisch Schönberg) hat 30.446 Einwohner und liegt 320 m ü.d.M. Die Stadt ist Wirtschafts- Verwaltungs- und Kulturzentrum des Gebietes. Überall sieht man Jugendstilbauten. Ein großer Park mit Seen und Bänken lädt zum Verweilen ein.
Ein hervorragendes Abendessen wurde uns im Gasthaus „Schiller“ in der Fußgängerzone serviert, was sicher auch an der gut deutsch sprechenden Bedienung lag.

 

Dienstag, 31.08. RückfahrtGruppe am Brunnen in der Fussgängerzone von Sumperk

Es regnete in Strömen an diesem Vormittag.

Gut gelaunt begann trotzdem um 10:26 Uhr die Rückfahrt von Šumperk (Mährisch Schönberg) nach Heidelberg. In Zábřeh na Morave (Hohenstadt) stiegen wir um in den Schnellzug nach Praha (Prag).
Im Prager Hauptbahnhof wurde uns, wie schon bei der Hinfahrt, wieder Hehlerware, diesmal waren es Uhren, angeboten.  Dann wurde es richtig unangenehm. Zwischen Prag und Pilsen war ein Güterzug entgleist. Unser Zug wurde umgeleitet Richtung Dresden, kurz vor der deutschen Grenze ging es dann über Most (Brüx) und Cheb (Eger) nach Nürnberg. Endlich nach ca. einer Stunde Wartezeit konnten wir nach Frankfurt weiter. Hier hieß es wieder lange warten, bis die Abfahrt nach Mannheim und Heidelberg erfolgte. Geplant war die Ankunft in Heidelberg um 22:49 Uhr, tatsächlich waren wir aber um 01:30 Uhr angekommen. Um 02:30 Uhr lag ich endlich zu Hause in meinem Bett.

 

Wir waren uns alle einig:

 

Die Wanderung vom Riesengebirge zum Altvatergebirge im Jahre 2004 war ein voller Erfolg.

 

 

Fortsetzung 2005  Wanderung durch die Beskiden (Altvater zur Mala Fatra)

 

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