Krivánska Malá Fatra (Nördliche Mala Fatra), Slowakei

 

 

 

 

 

Wanderbericht Wandersymbol für Wanderberichte

Vom Altvatergebirge (CZ) bis zur Kleinen Fatra (SK)

Im Jahre 2005 auf dem europäischen Fernwanderweg E3 - aufgezeichnet von Felix

 

Sonntag 14.08. Zugfahrt Heidelberg Olomouc (Olmütz)

Dem Lockruf des internationalen Bergwanderwegs E3 konnten wir auch dieses Jahr nicht widerstehen. Um 05:45 Uhr traf sich im Heidelberger Hbf. eine tatendurstige Truppe auf „flotten Sohlen“.

Eugen, der in Mannheim zustieg, hatte, wie sich auf der gesamten Tour zeigen sollte, ein längeres, regelmäßiges und geheimes Konditionstraining hinter sich und war in ausgezeichneter Verfassung.
 
Klaus hat sich zuvor fit gemacht beim Bergwandern im Allgäu und ist mittlerweile als Neupensionär auf den Hund gekommen. Ein Hund verlängert bekanntlich das Leben seines Herrchens um fünf Jahre.

 
Wolfgang, unser Wanderführer und ich, wir hielten uns durch verschiedene Tageswanderungen fit.

 
Harald joggt regelmäßig und hatte dabei auch die mehrfachen Angriffe eines Bussardweibchens in den letzten Wochen unbeschadet überstanden.

 

Über Frankfurt, Leipzig erreichten wir Dresden. Hier wurde umgestiegen. In der Sächsischen Schweiz wurden beim Anblick der Bastei, von Königstein, Rathen und Bad Schandau schöne Erinnerungen wach, z.B. an das "Goggola-Lied“ in den Kasematten der Festung Königstein, an die Wanderung auf dem E3 vor vier Jahren. In Česká Trebová (Böhmisch Trübau) stiegen wir dann noch einmal um. Kurz vor 18:00 Uhr erreichten wir dann unser Ziel, die alte Bischofsstadt und frühere Hauptstadt Mährens (1187-1642), Olomouc (Olmütz an der March).Vor dem Restaurant Moravska
Nachdem wir uns im Hotel „Arigone“ einquartiert hatten, machten wir noch einen Stadtbummel. Zunächst besorgten wir uns tschechische Kronen.
Bald gelangten wir auf den
Horní námĕstí (Oberring).
Wunderschöne Häuserfassaden, Barock- und Jugendstil, schmücken den Platz. Unweit der
Sloup Nejsvĕtĕjí Trojice (Dreifaltigkeitssäule) genossen wir vor dem "Restaurace Moravská“ (March) ein ausgezeichnetes Abendessen.

 

 

 

Bei meinem Herrchen Klaus habe ich die Hosen an!!

 

In diesem Revier bin ich die Königin!

 

 

 

Heidelberg ab     6:00
Mannheim           6:31
Frankfurt/M         7:21
Dresden            12:05
Dĕčín                13:02
Česká Trebová   16:21
Olomouc  an       17:41

 

Montag 15.08. Stadtführung Olomouc (Olmütz);
Kružberk (Kreuzberg)  ― Podhradi (Nieder Wigstein)

Der Inhaber des Hotels „Arigone“, Herr Ondrej Pavelka, ein ehemaliger Basketballspieler mit bestimmt 195 cm Größe, er spielte früher längere Zeit in der österreichischen zweiten Liga, führte uns vormittags im strömenden Regen durch die Stadt.

Olmütz hat ca. 100.000 Einwohner. Es ist die zweitälteste Universitätsstadt, nach Prag, in Tschechien. 13.500 Studenten studieren heute in der Stadt. Medizin, Naturwissenschaften, Theologie, Kunst und Pädagogik werden gelehrt. Direkt gegenüber von unserem Hotel stand das Jesuitenkolleg, wo Gregor Mendel (*1822 V1884), der Vater der Gentechnik, 1840 unter schwierigsten finanziSarkanderkapelle in Olomoucellen Bedingungen studierte.
In unmittelbarer Nachbarschaft des Kollegs besichtigten wir die St. Sarkanderkapelle. Sie wurde 1912 am Standort des abgerissenen Stadtgefängnisses errichtet, in dem die Protestanten den katholischen Pfarrer Johann Sarkander (*1576 V1620) zu Tode gefoltert hatten. Man wollte ihn zwingen, das Beichtgeheimnis zu brechen. Sarkander wurde gerädert und das Rad ist heute noch zu besichtigen. 1995 wurde er von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen.

Im 18. Jh. entstanden unter Kaiserin Maria Theresia in Olmütz viele barocke Bauten. Auf dem Horní námĕstí (OberrinDreifaltigkeitssäule in Olomoucg) lenkte Herr Pavelka unsere Aufmerksamkeit zunächst auf die Sloup Nejsvĕtĕjí Trojice (Dreifaltigkeitssäule). 1754 wurde sie in Gegenwart der Kaiserin Theresia eingeweiht. Mit 32 Metern ist sie die größte ihrer Art in Mitteleuropa. In der Säule befindet sich eine Kapelle, in der viele frische Blumen zu sehen waren. Außen befinden sich 18 vergoldete Sandsteinplastiken. An der Spitze des Monumentalwerks prangt die goldene Dreifaltigkeitsplastik. 2001 wurde die Säule in die Weltkulturerbenliste der UNESCO aufgenommen.

Zur Barockausschmückung der Stadt gehören auch die sechs Brunnen. Ein siebter wurde noch 2002 erbaut. Der Herkulesbrunnen (1687) befindet sich in der Nachbarschaft der DreifaltigkeitsCäsarbrunnen in Olomoucsäule. In der südöstlichen Ecke des Platzes steht der Caesarbrunnen (1725) mit dem Reiterstandbild Caesars und einem Hund. Nach einer Sage soll Caesar angeblich der Gründer von Olmütz gewesen sein. Der Hund symbolisiert die Treue der Stadt Olmütz gegenüber dem österreichischen Kaiser.
Einen weiteren Anziehungspunkt stellt das Rathaus mit seinRathaus von Olmoucem 75 m hohen Turm dar. An der Nordseite befindet sich eine große astronomische Uhr. Sie erinnerte mich an die Uhr auf dem Altstädter Ring in Prag. 12 kleine Figuren stellen die 12 Monate, zwei Mosaikwandbilder, ein Schlosser und ein Chemiker, die handwerkliche und die intellektuelle Arbeit dar. Einmal am Neue Rathausuhr von Olomouc, die alte Aposteluhr wurde im 2. Weltkrig zerstörtTag, 12:00 Uhr mittags, klingt aus dem Uhrwerk eine mährische Volksweise, dazu dreht sich die Arbeiterklasse im Kreis. Das Glockenspiel endet mit dem Erscheinen eines Hahns, Flügelschlagen und Krähen sollen kläglich wirken. Da der Hahn neben dem Pfau und dem Bären in unserer Wandergruppe höchste Wertschätzung genießt („da Goggola is do“-Lied), hätte ich den Hahnenschrei gerne gehört. Mit der Unterstützung von Hanjo, dem Hamburger Jung und mit Dirk, unserem Pfauenschreiexperten, hätten wir dem Olmützer Hahn sicherlich das Fürchten gelehrt. Beide waren aber leider dieses Jahr auf dem E3 nicht dabei und wurden vor dem Olmützer Hahn besonders schmerzlich vermisst.
Der Wanderführer erinnerte unerbittlich an das folgende Tagesprogramm, so dass es der Gruppe leider nicht ermöglicht wurde, den „heiseren“ Olmützer Hahn anzuhören. Eine Stunde Wartezeit war leider nicht möglich.

Als Wasserspielplatz konzipiert ist der Arionbrunnen, der erst vor wenigen Jahren errichtet wurde. Der Aufschwung der Stadt Olmütz nach dem Dreißigjährigen Krieg wird gleichnishaft mit einer antiken Sage verglichen. Der griechische Dichter Arion wird auf See von Piraten überfallen, springt ins Meer und wird von einem Delphin gerettet. Der rettende Delphin ist in vielerlei AusWafüWo reitet auf der Schildkröteführungen zu sehen.
Bereichert wird der Brunnen durch eine große steinerne Schildkröte. Wie das neben stehende Bild zeigt, setzte sich unser Wanderführer sofort auf ihren Rücken. Möge die Fähigkeit dieses Tieres, Alter bis zu 300 Jahren, lange zu leben, auf ihn übergehen.
In Rathausnähe steht die Chrám sv. Mořice (St. Mauritius-Kirche)  mit einer der weltgrößten Barockorgeln. Mit 10.400 Pfeifen können zwei Organisten gleichzeitig darauf spielen. Die alljährlichen Orgelkonzerte im Sommer sind sehr beliebt.

Südöstlich vom Rathaus liegt der Dolní námĕstí (Niederring). Hier Jupiterbrunnen am Niederring in Olomoucbefinden sich der Neptun- und Jupiterbrunnen sowie eine Mariensäule. In der Mariensäule befindet sich in der Mitte eine runde Öffnung. Jeder Student in Olmütz müsse hier einmal während seines Studiums hindurch klettern, damit er sein Examen bestehe, erklärte uns Herr Pavelka. Dieser alte Brauch werde auch heute noch bei den Studenten praktiziert.

Námĕstí Republiky (Platz der Republik) mit dem Tritonenbrunnen (1708) ist der Dreh- und Angelpunkt des Universitätsviertels. Blickfang ist hier die zweitürmige Barockkirche Chrám Panny Marie Snĕžné (Maria-Schnee-Kirche). Am Klarissenkloster und dem erzbischöflichen Palais vorbei erreichten wir bald denSt. Wenzels Domkirche in Olomouc Wenzelsplatz mit der Katedrála sv. Václava (Dom St. Wenzel) (1131). 100 m hoch ist sein Ostturm. Romanische und gotische Stilelemente sind erkennbar. Sehenswert im Inneren der Kirche sind die Bischofsgräber und der kostbare Domschatz. In den Gebäuden des Domkapitels nebenan, noch sehr zerfallen, komponierte der erst 11-jährige Wolfgang Amadeus Mozart die 6. Sinfonie in F-Dur. Eine Gedenktafel erinnert heute noch daran. Gegenwärtig werden die Gebäude restauriert und man plant ein künstlerisches Zentrum zu eröffnen.

Für den Besuch einer orthodoxen Kirche, die für die russischen Soldaten nach 1945 erbaut wurde, Olmütz wurde russische Garnisonsstadt, reichte die Zeit nicht mehr. Anfang der 90 er Jahre zogen die Russen ab.

In früheren Zeiten lebten in Olmütz etwa 80 % Deutsche und nur 20 % Tschechen. Olmütz ist nach Prag die Stadt mit den meisten und sehenswertesten Baudenkmälern in Tschechien.
Kein Wanderer sollte an dieser Stadt vorbei gehen, ein Abstecher ist wirklich lohnenswert.

Pünktlich um 11:00 Uhr fuhren wir dann mit dem Taxi eine längere Strecke bis nach Kružberk (Kreuzberg). Hier erreichten wir wieder den europäischen Fernwanderweg E3 bzw. Internationalen Bergwanderweg Eisenach - Budapest.

Für den den Rest des Tages gingen wir an dem Flüsschen Moravice (Mohra) entlang.
Immer wieder musste zwischendurch längere Zeit der Regenschirm aufgespannt werden. Zuerst marschierten wir links der Moravice (Mohra) durch feuchte Wiesen im flachen Gelände. Ein Zeltplatz tschechischer Jugendlicher machte bei dem Regenwetter einen bemitleidenswerten Anblick. Auch in den folgenden Tagen kamen wir öfters an solchen Jugendzeltlagern vorbei. Diese jungen Menschen hatten in diesen Augusttagen einfach mit dem Wetter großes Pech. Nach einer kurzen Suche nach dem richtigen Weg wechselten wir auf die andere Seite des Flusses. Ein kurzer Anstieg führte auf einen schmalen Hangweg. Teilweise war der Pfad mit Brombeer- und Himbeerranken überwuchert. Mit einem großen Stock musste gelegentlich wie mit einer Machete der Weg gebahnt werden. Links fiel das Gelände steil zum Wasser hinunter ab. Kleinere Kletteranstiege waren zu bewältigen. Das hier vorkommende Kalk-Schiefergestein erwies sich als sehr rutschig. Einmal passierten wir sogar eine Unglücksstelle, wo ein Ingenieur tödlich abstürzte. Die Kletterübungen im Steinbruch bei unserem Grillfest im Sommer kamen uns jedoch jetzt zugute.
Immer wieder tauchten unterhalb schön heraus geputzte Datschen am anderen Flussufer auf. Auch einzelne Reiher standen am Ufer. Von dem kleineren Ort Podhradi (Nieder Wigstein) fuhren wir die letzten drei Kilometer mit dem Bus nach Vitkov. Hier übernachteten wir im Hotel „Růže“ (Rose).

Abends unternahmen wir einen Spaziergang in die Stadt. Unmittelbar hinter unserem Hotel befanden wir uns plötzlich in einem sehr finsteren Viertel. Sehr herunter gekommene Plattenbauten waren zu sehen – eine Romasiedlung. Ein sozialer Brennpunkt in der kleinen Stadt Vitkov. Mittlerweile war es dunkel geworden. Auf der Straße standen viele Kinder und Jugendliche. Ein Polizeiauto fuhr vor, eine Scheibe in einem Geschäft war eingeschlagen worden.
Die Polizisten empfahlen uns das Restaurant „Bowling“ außerhalb des düsteren Stadtteils, wo wir gut zu Abend aßen. Besonders beliebt bei uns wurde die zelená s klobásou (Krautsuppe mit Wursteinlage). Politisch wurde zwischen uns an diesem Abend etwas heftiger im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl diskutiert. Schwarz, Grün, Rot und Gelb, alle Farben scheinen bei uns vertreten zu sein – auf die richtige Mischung kommt es eben an!

Wanderetappe 15 km

Die bedrückende Lage in der Romasiedlung veranlasste mich Informationen über die Volksgruppe der Roma zu sammeln.

Unterkünfte und Wanderstrecke

Olomouc
(Olmütz)
"Mährisch Salzburg"

 

Sehenswürdigkeiten:

Horní námĕstí
(Oberring)
 

Dolní námĕstí
(Niederring)

 

Sloup Nejsvĕtĕjí Trojice;
(Dreifaltigkeitssäule)
zählt zu dem UNESCO Weltkulturerbe

 

Morový Mariánsky sloup
(Pestsäule)

7 Brunnen:
- Caesarova kašna
  (Caesarbrunnen)
- Herkulova kašna
  (Herkulesbrunnen)
- Merkurova kašna
  (Merkurbrunnen)
- Kašna Tritónú
  (Tritonenbrunnen)
- Jupiterova kašna
  (Jupiterbrunnen)
- Neptunova kašna
  (Neptunbrunnen)
- Ariónova kašna
  (Arionbrunnen)


Katedrála sv. Václava
(St. Wenzels-Dom)


Radnice s orlojem
(Rathaus mit Turmuhr)

 

Kostel sv. Michala
(St. Michaelskirche)
 

Chrám Panny Marie Snĕžné
(Maria-Schnee-Kirche)
 

Chrám sv. Mořice
(St. Mauritius-Kirche)
 

 

Unser Hotel in Olomoc

Dienstag, 16.08.
Podhradi (Nieder Wigstein)
Hradec nad Moravicí (Grätz)

Im strömenden Regen liefen wir zur Bushaltestelle. Drei Kilometer fuhren wir dieselbe Strecke nach Podhradi (Nieder Wigstein) zurück. An diesem Tag regnete es nur einmal – nämlich ständig. Schon in der Nacht zuvor hatte es stark geregnet. Überall Pfützen, Schlamm, nasse Wiesen, tropfende Bäume. Ideal und bei uns sehr bewährt haben sich bei so einem nassen Wandertag Gamaschen. Sie sind schnell sauber gemacht und schützen Schuhe und Wanderhosen vor Nässe und Dreck. Auch heute wanderten wir wieder auf einer teilweise sehr steinigen, schmalen und  pfadähnlichen Strecke die Moravice (Mohra) entlang. Der Fluss war durch die starken Regenfälle sehr angeschwollen. Ein Seitenbach der Moravice (Mohra) musste überquert werden. Zwei schneidige, echte Kerle aus unserer Gruppe, balancierten sogar auf zwei kleinen Baumstämmen über das kalte Nass.

Amphibienexperte bei uns ist unser Ältester. Eugen hat zu Hause einen eigenen Teich im Garten. Insgesamt sieben Feuersalamander entdeckte er an diesem Tag am Wegesrand im feuchten Laub. Ihre Größe beträgt ca. 140-200 mm. Jedes Tier hat ein gFeueralamanderanz individuelles Muster, schwarz glänzend mit auffällig gelben Flecken. Diese Schockfarbe warnt Beutegreifer wie Igel, Bussarde, Krähen, Marder oder Fuchs vor Gefahr. Feuersalamander sind mit Schleim auf dem Körper, dem so genannten Salamandrin, umgeben. Salamandrin reizt die Schleimhäute. Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn jagen sie Nacktschnecken, Würmer, Käfer und andere kleine Insekten. Die Larven werden von den Weibchen lebend in kühlen Gewässern abgesetzt. Besonders durch den Ausbau und die Begradigung von Bächen sowie durch den Straßenverkehr sind diese Tiere heute gefährdet.

Bereits um 14:30 Uhr waren wir am Tagesziel, dem Hotel „Sonáta“ in Weißes Schloss in Hradec nad MoraviciHradec nad Moravicí (Grätz an der Mohra), angelangt. Durch einen Park mit alten Bäumen, Bänken und einer Beethovenbüste erreichten wir das Schloss mit dem „Weißen Turm“ der Fürsten Lichnowski. Weißer Turm in Hradec nad Moravici
Direkt daneben befand sich unser Hotel. Beethoven war mehrfach Gast des Schlossbesitzers und hat hier seine Vierte Sinfonie komponiert.
1848 wurde Fürst Felix Lichnowski in Frankfurt/Main von Revolutionären erstochen. Das Schloss beherbergt heute noch eine berühmte alte deutsche Bibliothek aber nur wenige alte Einrichtungsgegenstände.

Wanderetappe 15 km

Unterkünfte und Wanderstrecke











 

Salamander




 

Hradec nad Moravicí
(Grätz)

Sehenswürdigkeiten

Bílý zámek
(Weißes Schloss)

- Beethoven
  komponierte hier die
  Vierte Sinfonie.
- umfangreiche
  deutschsprachige
  Bibliothek

Mittwoch, 17.08.
Hradec nad Moravicí (
Grätz) ― Leskovec, Nový Jičín (Neutitschein)

Auch heute marschierten wir im Nieselregen los. Vom schönen Im Schlosspark von Hradec nad MoraviciSchlosspark aus sahen wir auf neblige Wiesen und Wälder. Bald besserte sich das Wetter und im weiteren Verlauf des Tages blieb es glücklicherweise trocken. Wir durchquerten kleine von der Landwirtschaft geprägte Dörfer. Das Getreide war wegen des vielen Regens noch nicht abgeerntet und die Ähren sahen ganz schwarz aus. Besonders interessant war ein großes Mohnfeld. Ein Rauschgiftfeld war es jedoch nicht. In Nový Jičín (Neutitschein) aß ich deshalb aber spät nachmittags ein ausgezeichnet schmeckendes Stück Mohnkuchen. Familie Mattis holt uns in Leskovec ab
Schon bald erreichten wir den Weiler Leskovec.  Dort wurden wir von Herrn Mattis, seiner Frau und seinem Schwager mit dem Auto abgeholt.
Herr Mattis ist Leiter des deutsch-tschechischen Begegnungszentrums und auch zuständig für die sudetendeutsche Vertretung. Zunächst fuhren wir nach Fulnek.

Fulnek war früher ein Zentrum des so genannten Kuhländchens. Ungefähr 100.000 deutsche Menschen wohnten im Jahre 1930 in diesem Landstrich, wo Mähren und das ehemalige Österreich-Schlesien zusammentreffen.
Das Kuhländchen war ein Land mit erfolgreicher Viehzucht.  Die Stadt war der Einkaufsplatz für die umliegenden Dörfer. Johann Amos Comenius (*1592
V1670) wirkte von 1618 bis 1621 hier. Das Gebäude, in dem Denkmal von Comenius in Fulnekder berühmte Theologe und Pädagoge unterrichtete, ist heute ein Museum. Im Garten davor erinnert eine Figur aus Stein an ihn. Sein Sprach- und Lesebuch „Orbis Pictus“  (Gemalte Welt) war bis 1850 in Deutschland das am weitesten verbreitete Schulbuch. Sein Buch „Didactica magna“ (Große Didaktik) wurde 1992 vom Verlag Klett-Cotta neu aufgelegt. „Jede Theorie muss für den praktischen Gebrauch nutzbar und darum didaktisch angelegt sein“, lautete der oberste pädagogische Grundsatz von Comenius. Handlungsorientierung ist heute in allen Lehrplänen der Schulen enthalten.

Mittelpunkt von Fulnek  ist heute der Marienplatz mit der Mariensäule. Begrenzt wird der Platz von schön herauMarienplatz von Fulneksgeputzten Häusern. Leider wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs das Zentrum Fulneks zerstört, sodass die alte Bausubstanz fehlt. Nach einem Mittagessen führte uns der Weg hinauf zum Schloss. Wir konnten es nur von außen besichtigen. Während die Schlossvilla mit dem Park, gehört einem wohlhabenden Amerikaner, einen prächtigen Anblick bietet, ist das Schloss selbst in einem beklagenswerten Zustand. Vom Schlossberg aus hat man einen guten Rundblick auf die Stadt und die umliegenden Berge.

Weiter ging dann unsere Fahrt nach Nový Jičín (Neutitschein).  Hauptstadt und geistiger Mittelpunkt des Kuhländchens war Nový Jičín (Neutitschein) mit seiner berühmten Hutindustrie (Hückel, Peschel), auch Stadt der Tuchmacher genannt. Im nahen Kopřivnice (Nesselsdorf) befanden sich die Tatra-Automobilwerke. Dort wirkte viele Jahre der Ingenieur Ferdinand Porsche(*03.09.1875 V30.01.1951), der als Schöpfer des Volkswagens gilt. Příbor (Freiberg), 11 km von Nový Jičín (Neutitschein) entfernt, ist der Geburtsort von Sigmund Freud (06.05.1856 V 23.09.1939).Hotel Praha in Neutitschein

Der Stadtkern von Nový Jičín (Neutitschein) steht heute unter Denkmalschutz. Untergebracht waren wir im Hotel „Praha“, das meiner Meinung nach beste Hotel auf der ganzen Wanderung 2005.

Die Stadtführung unter Arkaden um den Marktplaz von NeutitscheinLeitung von Herr Mattis ging direkt zum Marktplatz, dem Mittelpunkt der Altstadt. Er ist quadratisch angelegt. Außen umrunden Arkadengänge mit Geschäften, Cafés und Restaurants den Platz. Darüber befinden sich prunkvolle Hausfassaden aus verschiedenen Epochen. Hervorzuheben sind die "Alte Post" im Renaissancestil und das Haus „ZuApotheke Zum weißen Engel in Neutischeinm Weißen Engel“ mit der stuckverzierten Rokokofassade. Neben der Pestsäule steht das Wahrzeichen der Stadt, der Kuhländer Bauernbrunnen aus dem Jahre 1929. Ein lustig tanzendes Paar trägt die deutsche Kuhländertracht. Unterhalb der Brunnenplastik speien drei Kuhköpfe und ein Schweinskopf erfrischendes Brunnenwasser. Auch in
Nový Jičín (Neutitschein) lebten früher etwa 80 % Deutsche und 20 % Tschechen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal bei Herrn Mattis, seiner Frau und seinem Denkmal eines tanzendes Bauernpaar in deutscher Tracht in NeutitscheinSchwager für die sehr sachkundigen Führungen in Fulnek und Nový Jičín (Neutitschein) und für die wertvollen Informationen über die Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen. Auch unsere Wandergruppe wird alles tun, um Vorurteile und Antipathien auf beiden Seiten abzubauen. Auch im Vorfeld der Wandertour, bei der Unterkunftssuche, war Herr Mattis unserer Organisationskoryphäe Wolfgang sehr behilflich.
Informationen über Sudetendeutsche habe ich hier hinterlegt.

Nach dem Abschied von unseren tschechischen Führern gönnten wir uns abends noch in einer Seitengasse im "Restaurace - Cechovní dům" (Restaurant) ein exquisites Abendmahl.

Wanderetappe: 12 km

Unterkünfte und Wanderstrecke








 

 

Fulnek
liegt im sog. "Kuhländchen".

Hier lebte 3 Jahre der  Pädagoge Comenius













 


 

 

 

 

Nový Jičín (Neutitschein)

Sehenswürdigkeiten:

- Historischer
  Marktplatz

- Kuhländer
  Bauernbrunnen

- Haus "Zum weißen
  Engel"

- Arkadengänge
  umgeben den
  Marktplatz

Donnerstag 18.08.
Nový Jičín
(Neutitschein) ― Radhošt (Radegast) / Pustevny
Moravskoslezské Beskydy (Mährisch-Schlesische Beskiden)

Vom schönen sonnigen Wetter geweckt, 20° warm, kauften wir Getränke und Proviant am Marktplatz. Zum ersten Mal cremten wir uns mit Sonnenmilch ein und es wurde die schönste Wanderung auf der gesamten  Strecke. Mit dem Taxi fuhren wir nach Mořkov (Murk). 700 Höhenmeter mussten heute Vormittag und noch einmal so viele heute Nachmittag bewältigt werden.

Die Tagesetappen zuvor waren von der körperlichen Anstrengung her als bequem einzustufen. Jetzt aber stand er bevor, der Einstieg in die Beskiden. Und es ging gleich richtig los. Ein schmaler Pfad führte sehr steil nach oben auf den Huštýn 749 m (Huschin). Der Schweiß floss in Strömen. Oben war ich völlig durchgeschwitzt. Auch eine größere Blick vom Berg Hustyn ins Taltschechische Wandergruppe, viele Jugendliche, genossen den herrlichen Ausblick mit uns vom Gipfel. Auf Schautafeln wurde der Wanderer über Tiere und Pflanzen der Region sowie über die Aussichtspunkte in der Ferne informiert. Nach weiteren 1,5 Stunden, immer bergan und bergab, erreichten wir die Abzweigung zum  Berg Malý Javornik.

Hier wurde spontanMittagsschlaf beim Berg Maly Javornik beschlossen, im weichen Gras ein Mittagsschläfchen einzulegen. Auch die Tschechen ließen sich anstecken und legten sich in die Sonne.

Nach einem einstündigen Abstieg wurde Scout Wolfgang plötzlich unruhig. „Wir sind in die falsche Richtung gelaufen“, behauptete er. Sein innerer Kompass hatte Alarm geschlagen. Und in der Tat, nachdem wir zwanzig Minuten zurück gelaufen waren, fanden wir die richtige Abzweigung versteckt im Gebüsch.
Ein kurzer schlammiger Abstieg Mittagsrast am Pindula sedlo - Kellner trägt Walachische Trachtführte uns zu einer Gaststätte Zbojnická koliba am Pindula sedlo. Der Kellner war in einer einheimischen Volkstracht gekleidet. Die warme Erbsensuppe besserte sofort wieder unsere Stimmung und das Bier hatte seinen Namen von dem Berg, den wir heute noch besteigen mussten, „Radegast“. Wieder ging es dann aufwärts über eine Wiese zu einem sehr steilen und steinigen Waldstück und auf der anderen Seite wieder hinunter. Jetzt sahen wir ihnRadegastblick nach dem Pindula Sedlo vor uns – den
Radhošt (Radegast), 1129 m hoch.

„Back mas deas Luader!“ ein alter bayrischer Bergsteigerspruch spornte uns an, alles zu geben. Steil und steinig - fast den ganzen Tag über- marschierten wir auch jetzt weiter. Wieder floss der Schweiß literweise. Jeder wurde konditionell gefordert. Auch viele Einheimische waren unterwegs, kamen uns entgegen oder waren ebenfalls auf dem Weg nach oben. Abseits des Weges sah man oft Heidelbeersammler und Pilzsucher. Auch wir ließen uns die süßen Früchte schmecken. ZiemlicGruppe vor dem Kyrill-Denkmalh erschöpft erreichten wir über einen Skihang die mit Holzschindeln verkleidete Kapelle. Die Fernsicht war atemberaubend. Weit ging der Blick über die Karpaten bis zur Hohen Tatra.  Nicht weit von der Kapelle steht ein Denkmal der Glaubensapostel Kyrill und Methodius. Sie hatten im Jahre 863, aus Byzanz kommend, das Christentum in Mähren verbreitet. Ein Stück weiter auf dem Kammweg lädt das Horský Hotel „Radegast“ zur Rast ein. Auch wir legten Berghotel Radegasthier eine kleine Pause ein.

An einigen Skiliften vorbei erreichten wir bald darauf die Radegaststatue. Sie ist ein Geschenk der in Amerika lebenden Tschechen aus dem Jahre 1931. Radegast ist der slawische Gott der Ernte, Fruchtbarkeit, der SonDenkmal Gott Radegastne, des Krieges und des Sieges.

Weiter abwärts erreichten wir nach ca. einer Viertelstunde Pustevny chaty. Hier fallen einem sofort zwei Holzhäuser mit bunten Malereien und Schnitzereien ins Auge. Beide sind heute Pensionen. An zahlreichen Ständen auf einem großen Parkplatz werden Kitsch und Krempel verschiedenster Art an die vielen Besucher verkauft. Vom Hotel „Tanečnica“ konnten wir von unserem Zimmer aus weit in die Ferne schauen.

Während des Abendessens und im weiteren Verlauf des Abends hörten wir aus einem Nachbarzimmer wunderschönen Gesang. Die Jugendmusikgruppe „Bambini di Praga“ verbrachte eine Woche für Musikproben im Hotel. Die Jugendlichen treten in der ganzen Welt auf und sind in ganz Tschechien bekannt. Da abends auch noch ein Masseur unsere müden Knochen durchknetete, waren die Strapazen des Tages rasch vergessen. Bei unserem Lieblingslied – wird auch am Berg bei höchster Anstrengung gesungen – ♫ „Ja, das machen nur die Beine von Dolores, dass die Señores nicht schlafen gehn“, kam dann auch die richtige Stimmung auf.

Wanderetappe 23 km

Wanderverlauf
ist zu sehen auf der
Landkarte

Unterkünfte und Wanderstrecke

 


 

 










 

Biermarke:

 

 

 

 

 

 









 

 

Freitag 19.08.
Radhošt
(Radegast) / Pustevny Berg Čartak
Moravskoslezské Beskydy (Mährisch-Schlesische Beskiden)

Der südliche Teil der Beskiden wird auch Mährische Walachei genannt. Walachische Schafhirten waren einst aus dem heutigen Rumänien hierher eingewandert.
Am Fuße des
Radhošt (Radegast) liegt das Städtchen Rožnov pod Radhoštĕm (Rosenau am Radegast). Zur Zeit der Habsburger Monarchie war es ein berühmter Kurort. Heute befindet sich hier das Walachische Freiluftmuseum. Auf einem Ehrenfriedhof sind berühmte Persönlichkeiten der Walachei bestattet. Auch der berühmte LangstreckeBlick ins Becva-Tal bei Rosenau am Radegastnläufer (10.000 m) Emil Zátopek fand hier Ende 2000 seine letzte Ruhestätte. Radhoštĕm (Rosenau am Radegast) lag unter uns im Tal, als wir bei 19° C, trocken, gute Aussicht, das Hotel verließen. Auf einem schmalen, leicht abwärts gehenden Hangweg kamen wir zügig voran.  Kleine Biotope am Weg und Informationsschautafeln weckten unsere Aufmerksamkeit. Wichtige Tier- und Pflanzenarten der hiesigen Gegend waren hier abgebildet und erläutert. Und siehe da! Jetzt sahen wir ihn zum ersten Mal, Medved, den Braunbär. Er sollte also in dieser Region vorkommen. Ein Bär rennt, klettert und schwimmt viel schneller als ein Mensch und wittert ihn schon auf drei Kilometer Entfernung. Als bärenstarken Gegner erlebten die Menschen seit Jahrtausenden dieses Tier, das ehemals in ganz Europa verbreitet war. Weil der Bär keine gewöhnliche Jagdbeute war, wurde er in Wappen und Namen, Legenden und Liedern seit dem frühen Mittelalter geehrt. Doch das Zusammenleben von Mensch und Bär war von Konflikten und Ängsten geprägt. Die steigende Bevölkerung eroberte sich zunehmend Lebensraum in vormals unberührten Landschaften. Waldrodungen und Verfolgungen trieben  die Bären in schwer zugängliche Bergregionen zurück. Aber auch diese wurden zunehmend von Menschen heimgesucht. Schon im vergangenen Jahrhundert wurden viele Regionen durch hemmungslose Jagd zur absolut bärenfreien Zone. Heute existieren in vielen Teilen Europas keine Bären mehr oder die vereinzelten Vorkommen sind isoliert und bedroht. Wird der Bär zukünftig nur noch als „Teddybär“ in den Wohnzimmern der Europäer, wie z.B. bei unserem Gerd in Leimen, zu finden sein?
Nur konsequente und länderübergreifende Schutzmaßnahmen können dieser Entwicklung Einhalt bieten. 50 % aller Braunbären in Europa leben heute in Rumänien. In der Slowakei schätzt man ihre Zahl auf 800 und in Tschechien auf etwa 80.

Die Abbildung des Bären auf der Schautafel ließ uns doch erheblich wachsamer weiter gehen. Kurz darauf fanden wir den  Kot eines größeren Tieres. War es ein Bär oder ein Hirsch?

In Bukovina aßen wir mittags Kartoffelsuppe vor der alten Baude Martiňák. Sie war im zweiten Weltkrieg ein Widerstandszentrum gegen die Faschisten und ist heute ein kleines Lokal. Nachmittags konnten wir dann sogar noch ein Mittagsnickerchen in der warmen Sonne genießen. Als wir später längere Zeit das E3-Zeichen in einem mit jüngeren Fichten bewachsenen Waldstück nicht mehr fanden, war klar, dass wir uns wieder verlaufen hatten. Glücklicherweise trafen wir auf eine Familie beim Heidelbeerpflücken. Sie sprachen deutsch und der Familienvater lief mit uns ein Stück des Weges zurück und zeigte uns den richtigen Weg. Das E3-Wanderzeichen war hier unauffindbar. Erst ungefähr 500 Meter weiter tauchte es wieder auf.

Nach einer halben Stunde sahen wir von weitem den Aussichtsturm auf dem Berg Čartak, 952 m und unsere Unterkunft. Nach einem letzten steilen Anstieg quer über eine Bergwiese waren wir am „Horský Hotel Súkenická angelangt. Abends amüsierten wir uns köstlich über den jungen Kellner. Er verwechselte verschiedene Bestellungen und Rechnen war nicht seine Stärke beim Bezahlen. Den Beitritt Tschechiens und der Slowakei zur EU fand er gut, besonders wirtschaftlich erwartet er einen Aufschwung.

 

Wanderetappe 21 km

Wanderverlauf
ist zu sehen auf der
Landkarte

 

Unterkünfte und Wanderstrecke



 

 

 

 

 

 

 

Medved
Der Braunbär








 

 

 

 

Aussichtsturm auf
dem Berg Čartak

Samstag 20.08.
Berg Čartak ―  Kasárne am Berg Velký Javornik 1072m
Moravskoslezské Beskydy (Mährisch-Schlesische Beskiden)

Beim Frühstück kamen wir mit einer tschechischen Urlauberin ins Gespräch. Sie teilte uns mit, sie arbeite als Krankenschwester in Karlsruhe und Deutschland gefalle ihr sehr gut.

Bei idealem Wanderwetter bestiegen wir den Aussichtsturm auf dem Čartak. Die tolle Fernsicht ermöglichte einen wunderschönen Rundumblick über die tschechischen Beskiden und das Javornik-Gebirge in der Slowakei. Beskiden und Javornik-Gebirge sind beides Teile der Karpaten. Der Radhošt (Radegast) und der mit 1.323 m höchste Berg der Beskydy (Beskiden) Lysá hora (Lissa) ragten besonders heraus. Bereits 500 m weiter vom Turm entfernt, befanden wir uns erstmals auf slowakischem Boden. Während auf tschechischen Wanderzeichen Kilometerangaben stehen, sind es Zeitangaben auf slowakischen.
Nach einem kurzen Abstieg gelangten wir an den Grenzübergang „Bumbálka“. Ein Restaurant mit einem großen Parkplatz sowie mehrere Wechselstuben erwarten hier den Grenzgänger. Durch seine Lage direkt an der Fernstraße Olomouc-Žilina herrscht hier reger Straßenverkehr und die Bänke vor der Gaststätte waren gut Wafue Wolfgang Eugen und Felix nach dem Grenzübergang Bumbalkabesetzt. Viele Wanderer, Motorrad- und Radfahrer prägten das Bild.
Immer im Wald liefen wir dann längere Zeit an der tschechisch-slowakischen Grenze entlang. Mehrere große Ameisenhaufen waren zu bestaunen. Gelegentlich teilten Mountainbiker und kleine Wandergruppen mit uns den Weg. Ein einzelner Wanderer hatte an seinem Rucksack sogar einen Bierkrug vom Münchner Oktoberfest hängen.
Nach dem Überqueren einer Autofernstraße kamen wir an ein antifaschistisches Denkmal mit frischen Blumen und Kränzen. Es erinnert an die tschechischen Partisanen 1944.
Mittagspause vor dem Ort KasarneNach einem längeren Anstieg legten wir uns an einem schönen Aussichtspunkt in die warme Nachmittagssonne und genossen den Ausblick. Etwas bergab erreichten wir dann kurz darauf den am Hang des Velký Javornik (1.072 m) liegenden Wintersportort Kasárne, wo wir im Horský Hotel FRAN übernachteten.

Zuerst wurde jedoch noch auf der Aussichtsterrasse gBerghotel Franemütlich ein warmer Tee getrunken. Weit reichte der Blick über Karpatengipfel und Täler. Auch der Berg Radhošt (Radegast) war wieder zu sehen. Ohne Bestellung wurde dann im Hotel ein einheitliches Abendessen aufgetragen. Da wir alle jedoch noch nicht satt waren, bestellte Wolfgang noch eine große Schüssel mit einer vorzüglichen Bohnensuppe. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein kam das Gespräch auf die Gesundheit in der Gruppe. Alle Teilnehmer strotzen vor Gesundheit. Fehltage im Arbeitsleben sind oder waren bei uns selten.
Von ehemaligen Mitwanderern auf dem E3 hört man leider mittlerweile Jammern über gesundheitliche Beschwerden. Wo liegt das Gesundheitsgeheimnis der "Wandergruppe"-

Klaus, Harald, Felix, Wolfgang, Eugen vor dem Hotel Fran

Mir fiel dazu ein kleines Gedicht ein, das ich irgendwo einmal gehört habe:

                                  Doktor Wald
        
Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
          mich unverstanden fühle oder alt,
          dann greif ich nicht zur Pillendose,
          dann konsultiere ich den Doktor Wald


         Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater,
          mein Orthopäde und mein Internist.
          Er hilft mir sicher über jeden Kater,
          ob er aus Kummer oder Kognak ist.

          Er hält nicht viel von Pülverchen und Pillen,
          doch umso mehr von Luft  und Sonnenschein!
          Und kaum umfängt mich seine Stille,
          raunt er  mir zu: "Nun atme tief du ein!".

          Er bringt mich immer wieder auf die Beine,
          den Blutdruck regelt er und das Gewicht,
          verhindert Fettansatz  und Gallensteine,
          nur Hausbesuche macht er leider nicht!

Wanderetappe 15 km

Wanderverlauf
ist zu sehen auf der Landkarte

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Eintrittskarte zum
Besuch des
Aussichtsturms:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hotel Fran

Sonntag, 21.08.
Kasárne  ―  Považská Bystrica (Waagbistritz)

Javorníky (Javornikgebirge)

Viel Gelächter beim Frühstück Jeder hatte eine riesige Portion Butter vor sich stehen, eine einzige hätte für unsere fünfköpfige Gruppe Auf dem Gipfelpfad zum Berg Javornikausgereicht. Im Indianermarsch stiegen wir auf einem Pfad hinauf zum Gipfelkreuz des Velký Javornik, 1.072 m hoch.
Eine Gruppe Heidelbeersucher und beste Fernsicht erwartete uns oben am Gipfelkreuz. Weiter führte uns dann ein schöner Waldweg leicht hangabwärts. Große Wälder sind der größteDas Gipfelkreuz vom Berg Javornik Reichtum im Javornik-Gebirge. Die Fichte ist mit Abstand der am häufigsten vorkommende Baum. Waldkiefern, Buchen, Tannen, Birken sowie Ebereschen bereichern das Landschaftsbild zusätzlich.
Auch zahlreiche wertvolle und geschützte Pflanzen wie z.B. Enzian, slowakische Kuhschelle, Weißer Silberwurz, Silberdisteln und der Blaue Eisenhut stehen am Wegesrand. Eisenhut wird 50-150 cm hoch und blüht von Juni-September. Eisenhut ist die giftigste Pflanze Europas. Er enthält vorwiegend in den Knollen, aber auch sonst in der ganzen Pflanze das stark wirksame Alkaloid Aconitin. Schon 3-6 mg Aconitin können für einen Erwachsenen tödlich wirken. Das Gift ist sogar in der Lage durch die Haut einzudringen. In der Antike und im Mittelalter waren Giftmorde mit Aconitin sehr häufig, es war damals das am meisten gebrauchte Mordgift. Auch der römische Kaiser Claudius und Papst Hadrian IV. sollen mit Eisenhut vergiftet worden sein. Aconitin wurde von vielen Kulturen als Pfeilgift gebraucht, so auch im 15. Jh. von den Mauren während ihrer Kämpfe gegen die Spanier. Im alten Griechenland richtete man Schwerverbrecher mit dem Gift hin, da der Tod mit Aconitin besonders grausam ist. Früher steckte man auch Wurzeln des Eisenhuts in rohe Fleischköder, um Wölfe zu fangen. Die Wölfe fraßen das Fleisch mit den Wurzeln und starben. Medizinisch wird der Eisenhut heute bei Nervenschmerzen, Rheumatismus und Herzbeutelentzündung eingesetzt. Da die Dosierung mit Pulver, Tinktur und Salbe unsicher ist, verwendet man immer mehr das reine Aconitin. In der Homöopathie wird die Pflanze zusätzlich bei Bronchitis und Ischias eingesetzt. Zweimal grüßten uns Eisenhüte am Wegesrand und mancher Wanderer geht vorbei, ohne dieses teuflische, aber auch segensreiche Kraut zu kennen. Auf der E3-Tour 2006 wird der Eisenhut bei Entdeckung von uns allen noch einmal besonders gewürdigt. Dem ersten Finder spendiere ich abends ein Getränk nach Wahl.

An einer 5-Wege-Kreuzung waren wir plötzlich mit unserem Latein am Ende. Das E3-Wegzeichen war unauffindbar. Kurz darauf kam aus dem Dickicht ein Pilzsammler mit einem T-Shirt mit einem Logo einer Mannheimer Versicherung. Er hatte ein Prachtexemplar eines Steinpilzes gefunden. Auch er konnte uns nicht helfen.
Unser Wanderführer Wolfgang hatte wieder einmal den richtigen Riecher: Nach seiner Idee  musste der Weg geradeaus der richtig sein. So war es dann auch.
Die gesamte weitere Tagesstrecke auf diesem Teilabschnitt des E3 erwies sich jedoch als ständige schwierige Suche nach dem richtigen Weg. Wegzeichen lagen öfters abgerissen am Boden oder fehlten gänzlich. Außerdem war der schmale Kammweg teilweise mit Brombeerranken und anderem Gebüsch zugewachsen. Dank sei einem unbekannten Motocrossfahrer, der eine große Wegstrecke befahren und damit „vorgespurt„ hatte. Selbst unser mit einem „inneren Naturkompass“ ausgestatteter Wolfgang war heilfroh über diesen Motorradrowdy. Die zuständigen slowakischen Wegewarte sind jedoch hiermit dringend aufgefordert, schnellstens anderen E3-Wanderern die Suche zu erleichtern.
Wenigstens konnten wir in der völlig abgelegenen und einsamen Gegend zwei Hirschkühe bei der Flucht beobachten. Die letzten vier Kilometer Abstieg auf einem Holzstammschleifweg erwiesen sich als schwierig zu laufen. Nur schräg konnte der Wanderschuh in dem harten ausgehöhlten Kalkschieferweg aufsetzen. Viele Gesteinsbrocken machten das Gehen zusätzlich schwierig.

In Štiavnik fuhren dann mit dem Bus über Bytča (Großbitsch) nach Považská Bystrica (Waagbistritz). Vorbei ging die Fahrt an dem Fluss Váh (Waag), einem großen Stausee und einem im Bau befindlichen schiffbaren Kanal. Auch der Neubau einer großen Autobahn war zu sehen. Hierzu werden die EU-Gelder verwendet.
Die Slowakei gilt ja als Musterknabe der EU, was das Wirtschaftswachstum betrifft. Die Malá Fatra wird durch den Fluss Váh (Waag) in zwei Teile gespalten. Im Laufe der Millionen grub sich der Váh (Waag) tief in das Kalkgestein. Auch der erste Handelsweg in diesem Gebiet passte sich dem Flussdurchbruch an und bewahrte sich die ursprüngliche Routenführung bis heute. In Považská Bystrica (Waagbistritz) übernachteten wir im Hotel „Manin“ im siebten Stock. Das Hotel liegt an einer stark befahrenen Durchgangsstraße und die ganze Nacht über war starker Verkehrslärm zu hören. Besonders Eugen fühlte sich am nächsten Morgen völlig unausgeschlafen. Im asiatischen Restaurant im obersten Stock des Hotels erhielten wir abends zuvor noch ein gutes Nachtessen.

Wanderetappe 18 km

Wanderverlauf
ist zu sehen auf der
Landkarte

Unterkünfte und Wanderstrecke



 

Das Gipfelkreuz
vom
Velký Javornik,






 


Blauer Eisenhut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein slowakischer Pilzsucher trägt ein T-Shirt mit einem Logo aus unserer Heimat

Montag, 22.08.
Považská Bystrica (
Waagbistritz)
/ Vrchtepla ―  Rajec (Rajetz)

Súľovské vrchy (Sulower Felsen)

Ein Taxi brachte uns frühmorgens nach Vrechtepla. Vom Ort aus hat man einen guten Rundblick auf die umliegenden Berge. Der Himmel war zwar bedeckt, aber noch war es trocken. Ein alter Mann auf Krücken grüßte uns neugierig und am Ortsrand begegnete uns eine Gruppe Frauen, die einen Wiesenhang von Gebüsch und hohem Gras säuberten. Alle sprachen deutsch und lachten uns zu. Durch Wiesengelände ging es bequem aufwärts voran.

Oberhalb des Ortes VrechteplaVon einer Anhöhe aus blickten wir zurück auf das Dorf und die dahinter liegenden Berge der Malá Fatra (Kleine Fatra).  Auf einer Bergwiese graste eine Schafherde. Darunter befanden sich auch Ziegen mit Glocken um den Hals. Weiter unten am Waldrand lag der Schäfer mit seinem Hund im Gras. Fotografiert werden wollte er nicht, meinte aber, es werde heute noch schlechtes Wetter geben. Abwärts gesellte sich bald ein Bach neben unseren Weg und sein munteres Plätschern begleitete uns bis zur Chata Súľov.
Hinter einer Teerstraße sahen jetzt steile Felszinnen Die Sulower-Felsen sind erstmalig zu sehen– die Súľovské skaly (Sulower Felsen) – auf uns herab. Der Hund einer slowakischen Bergführerin, die gerade eine Gruppe Bergwanderer begrüßte, begleitete uns den steilen Pfad nach oben. Treppen und Holzgeländer erleichterten den Aufstieg. Recht bald hatten wir die ersten Aussichtspunkte auf den Felsen erreicht und genossen die grandiose Fer
nsicht. Weiter ging es zum Bukové lesy, zum Gotická braná (Gotischen Tor). Rechts und links des Felsenpfades befanden sich steile Abgründe. Teilweise kletterten wir jetzt sogar eiserne Leitern hinauf zur Burgruine Súľov. Gerade als ich dabei war, uns ins Gipfelbuch einzutragen, begann es heftig zu regnen. Felix trägt uns in das Gipfelbuch an der Sulower Burgruine ein
Über Leitern führte der Weg auf der anderen Bergseite wieder hinunter. In dem starken Regen war größte Vorsicht angebracht. Unten angelangt, marschierten wir gleich wieder einen anderen Berg hoch und hier immer wieder eine Anhöhe hinauf und wieder hinunter. Aussicht war jetzt keine mehr vorhanden. Nebel zog auf. Der Weg war zum Teil mit jungen Buchen überwuchert. In den nassen Büschen konnte ich den Schirm nur sporadisch einsetzen und war bald völlig durchnässt. Nach einem Wechsel des Unter- und Oberhemdes fühlte ich mich gleich wieder wohler. Da es durch den vielen Regen immer rutschiger und glatter wurde, geriet der Abstieg zu einer Rutschpartie. Auch der verschlammte, steinige, mit tiefen Rinnen ausgestattete Weg über den  Berg Žibrid war aufgrund der Wetterverhältnisse nicht möglich. Deshalb ging unsere Wanderung zum Ort Zbyňov.

Ein frisches Bier in einer kleinen Gaststätte in Zbyňov war nach den Anstrengungen eine Wohltat. Aufregung dann an der Bushaltestelle. Pünktlich hatten wir uns hier eingefunden. Auch der Bus kam pünktlich, hielt aber an einer 100 m entfernten Kreuzung, ließ die Fahrgäste aussteigen, wendete und fuhr davon. Hinterher laufen, lautes Rufen – alles war vergeblich. Der Bus war fort und es fuhr heute keiner mehr in das 4,5 km entfernte Rajec (Rajetz). Hungrig und durchnässt hätte uns an diesem Abend der Busfahrer nicht in die Hände fallen dürfen.
Schon hatten wir uns innerlich mit dem gut einstündigen Weiterweg auf Teerstraßen abgefunden, da hielt direkt gegenüber ein Lieferwagen. Ein junger Fahrer stieg aus und holte in einem Haus Holzstiele für Spaten und Schaufeln. Ich fragte ihn, ob er uns mit nach Rajec (Rajetz) nähme. Er war einverstanden. Wolfgang und Harald quetschten sich vorne auf den Beifahrersitz. Klaus, Eugen und ich setzten uns hinten auf die geladenen Holzstiele. Jedes Schlagloch spürten wir deshalb doppelt. Zehn Minuten später befanden wir uns aber in unserem Hotel „Kľak“ in Rajec (Rajetz). Die heiße Dusche weckte bald wieder meine Lebensgeister. Ein heißer Tee mit Slibowitz tat das Übrige. Ein Gefühl des Wohlbehagens stellte sich ein.

Die ganze feuchte Kleidung wurde aus dem Rucksack im ganzen Zimmer und im Bad zum Trocknen aufgehängt und ausgelegt. Selbst unser Wanderführer, ein absoluter Wanderprofi, mein Zimmerpartner, hatte heute ebenfalls nasse Sachen. Heizung gab es keine, insofern war der Trocknungseffekt über Nacht gering. Besonders meine Jeanshose und Jeanshemden sind für eine solche Tour völlig ungeeignet.  Aufgrund der letzten beiden E3-Wanderungen im Riesen- und Altvatergebirge bei sonnigem, trockenen Wetter war für mich, eine Wanderung eine Woche lang nur im Regen, völlig ungewohnt. Goretexjacke, Schirm, gute Schuhe und auch Qualitätshosen reichen dafür nicht. Richtig ausgerüstet war eigentlich nur Eugen. Nur Funktionswäsche, transportiert Nässe von innen nach außen, verwenden, lautet der erste Grundsatz. Weiterhin sollte ein Regenponcho vorhanden sein, der auch den Rucksack abdeckt. Unterwäsche, Hosen, Hemden und Pullover werden jeweils getrennt in Plastikbeuteln im Rucksack untergebracht. Auch bei schwersten Regenfällen ist damit immer trockene Wäsche vorrätig.
Ein Problem bleiben die Schuhe. Wenn sich das Leder einmal mit Wasser voll gesaugt hat, hilft auch das Ausstopfen mit Zeitungspapier nicht mehr. Nasse Strümpfe sind die Folge. Dadurch wird die Haut am Fuß weich und ich lief mir am letzten Wandertag eine Blase.

 

Nächstes Jahr werde ich sicherlich besser ausgerüstet sein. Gerade der nächste Tag, an dem es „noch dicker kam“, ist dafür ein weiterer Ansporn.

Wanderetappe 25 km

 

Wanderverlauf
ist zu sehen auf der
Landkarte

 

Unterkünfte und Wanderstrecke

Das Topklettergebiet der Slowakeidie Súľovské skaly (Sulower Felsen)

Dienstag, 23.08.
Rajec (Rajetz) ―  Martinské hole (Martin'sche Heide)

Lúčanská  Malá Fatra (Lutschauer Kleine Fatra)

Heute musste die längste Tagesstrecke bewältigt werden. Neun Stunden Wanderzeit ohne Einkehrmöglichkeit.
Die ganze Nacht über hatte es wieder stark geregnet. Bei bedecktem Himmel verließen wir kurz nach 08:00 Uhr das 6.100 Einwohner zählende Rajec (Rajetz). Etwa neun Kilometer Teerstraße marschierten wir im ebenen Gelände entlang. Bald begleitete uns wieder ein vom vielen Regen angeschwollener Bach. Wir passierten Holzstammlager und sahen Holzfäller bei der Arbeit. Urplötzlich hörte die Teerstraße auf und in einem Seitental begann ein sehr steiler, steiniger Anstieg. 580 m Höhenunterschied mussten von Rajec (450 m) bis zum ersten Ziel Sedlo pod Hnilickou Kýčerou (1.028 m) Wir machen nach dem Aufstieg eine Pause am Sedlo Hnilickou Kyceroubewältigt werden. Hier machten wir Rast an einem Lagerfeuerplatz. Ich war ganz durchgeschwitzt. Weiter ging es nun im strömenden Regen. Bald kamen wir an einen sehr steilen Hang, der zum Horná Lúka hinauf führte. Er war vom vielen Regen der letzten Tage völlig aufgeweicht und glatt. Der eigentliche Hangpfad war so glitschig, dass ich sofort drei Meter rückwärts rutschte, als ich hinauf wollte. Seitlich im Gebüsch mussten wir uns vom Zweig eines Busches zum nächsten hangeln, immer wieder rutschte man zurück. Der Aufstieg verlangte bei dem Regen und der Nässe jedem das Äußerste ab. Aber mit Kraft und Ausdauer gelangten wir endlich ans Ziel. Wieder trug ich uns ins Gipfelbuch ein. Der Regen wurde jetzt so stark, dass wir in eine Fichtenschonung flüchteten. Aber auch die Bäume konnten das viele Wasser nicht mehr abhalten. Es tropfte
wie ein Wasserfall. Zehn Minuten hielten wir so durch, dann wurde es unangenehm kalt. Weiterlaufen hieß die Devise. Dadurch wurde einem bald wieder wärmer. Auch das Anstimmen des Liedes „Ja, das sind nur die Beine von Dolores, dass die Señores nicht schlafen gehen“, weckte weitere Energien. Kleinere rutschige Auf- und Abstiege wechselten sich jetzt ab. Gelaufen wurde im 5-10 cm hohen ablaufenden Wasser des schmalen E3-Pfades, immer dem rot-weißen ZeichAbbrechen oder weitergehen - Entscheidung am Sedlo Marikovaen nach. Viele Steine und Baumwurzeln erschwerten noch das Marschieren. Nach einer weiteren Stunde waren wir an der Abzweigung Maríková (990 m) immer noch im strömenden Regen angelangt. Spontan wurde hier beschlossen, nicht in ein Seitental zum Herrenhaus Kunderad abzusteigen, sondern die geplante Tagesstrecke durchzuziehen.

Eine halbe Stunde später hörte wenigstens der Regen auf. Als wir einen Mischwald durchquerten, erreichten wir die alpine Zone. Der Pfad führte nun auf einer Hochgebirgswiese hoch zum höchsten Gipfel der Klaus im Nebel auf dem Gipfelweg kurz vor dem Velky LukaLúčanská Malá Fatra. Wanderführer Wolfgang im Nebel
Leider zog jetzt dichter Nebel auf, die herrliche Fernsicht auf die umliegenden Berge und in die Talkessel fiel aus.

Auf dem grasigen Gipfel des Veľká Lúka (1.476 m) wächst Knieholz. Stangen erleichtern die Orientierung für die Besucher.

 

Über moorige Wiesen und ein sehr Total verschlammte Wege am Berg Velka Lukaverschlammtes Teilstück erreichten wir den Sender Krížava. Glockengeläut machte uns auf eine große grasende Kuhherde mit Schafen aufmerksam. Über eine 2,5 km lange Asphaltstraße – mitten durch die vielen Kühe – erreichten wir dann das Hotel „Martinské hole“.
Skihänge und Skilifte prägen das Bild.

An diesem Tag waren wir dieKühe am Velka Luka - Im Hintergrund ist die Stadt Sankt Martin in der Turz zu sehen einzigen Gäste im Hotel und der warme Tee tat uns heute besonders gut. Da wir in den nächsten beiden Tagen über 1.700 Meter hinauf steigen mussten und auch einige Gratwanderungen zu bewältigen waren, wurde uns klar, dies war nur bei gutem Wetter möglich.

 

 

 

Wanderetappe 28 km

Wanderverlauf
ist zu sehen auf der
Landkarte

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

 

 

Mittwoch, 24.08.

Martinské hole ― Martin (St. Martin in der Turz) / Žilina (Sillein)

Es regnete Bindfäden die ganze Nacht hindurch und auch während des Frühstücks. Einstimmig beschlossen wir schweren Herzens die Tour 2005 abzubrechen. Besonders unser Wafü litt, es war das erste Mal in 30 Jahren, dass vorzeitig die Heimfahrt angetreten wurde. Wetterbesserung war aber auch in den nächsten Tagen nicht in Sicht. Kurz darauf war er schon wieder als Cheforganisator tätig. Er saß am PC des Hotels und suchte im Internet Zugverbindungen von Martin nach Žilina (Sillein) heraus. Er hatte über das Jahr seine Slowakischkenntnisse enorm verbessert und unterhielt sich in dieser Sprache beim Empfang oder Abschied an den Hotelrezeptionen sowie bei Bestellungen im Restaurant.  Zugverbindungen, Hotelbuchungen, Streckenauswahl und Führungen waren wie immer „Erste Sahne“. Er bürgt einfach für Qualität. Wenn es auch nicht oft gesagt wird, wissen wir doch alle, was Wanderweg von der Martinske hole nach Martin - fast unpassierbarwir an ihm haben.

Der Abstieg nach Martin (Sankt Martin in der Turz) wurde richtig zum Alptraum.
Ständiger heftiger Regen, Riesenpfützen, Schlamm, Sturzbäche quer durch den Wald, ein kleiner Bach floss neben uns auf dem Weg, neun Kilometer können sich ganz schön hinziehen.

Kurz vor der Stadt sah ich dann in einem Bergbach noch eine Tschechische 14 Kronen Briefmarke mit der Abbildung einer WasseramselWasseramsel. Sie war jetzt bei diesem Wetter in ihrem Element und tauchte gut eingefettet trocken im Wasser nach Köcherfliegenlarven. 

Die letzten drei Kilometer konnten wir bis zum Bahnhof mit dem Bus fahren und hatten sofort Anschluss nach Žilina (Sillein).  Žilina hat 87.000 Einwohner und ist die größte Stadt am Fluss Váh (Waag). Sie ist gleichzeitig das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der nördlichen Slowakei, Sitz der Hochschule für Verkehr und einer der wichtigsten Verkehrsknoten des Landes auf der Hauptstrecke zwischen Bratislava (Preßburg) und Košice (Kaschau). Vom Bahnhof aus mündet die Fußgängerzone in den ersten der zwei historischen Blick auf die Hl. Dreifaltigkeitskirche von Zilina. Links ist der Burian-Turm, der nicht mit der Kirche verbunden istPlätze Žilinas, benannt nach Andrej Hlinka. Die große Statue dieses Priesters, Politikers und führenden Fürsprechers für slowakische Unabhängigkeit zwischen den Weltkriegen dominiert den Platz. Eine imposante Treppe führt zur gotischen Kirche Hl. Dreifaltigkeit, einem Wahrzeichen der Stadt aus dem Jahr 1400. Neben der Kirche steht der 46 m hohe Burian-Turm aus dem Jahr 1530, der als Glockenturm dient.

Wir setzten uns spät nachmittags in eines der schönen Cafés in den altertümlichen Arkadengängen am Mariánske námestie (Marienplatz), dem zweiten historischen Platz der Stadt. Die Grundmauern dDer Marienplatz von Zilinaes Marienplatzes stammen aus dem 14. Jh. Die meisten Häuser waren damals von Handwerkern bewohnt. Žilina war am Ende des 17. Jahrhunderts ein bedeutsames Zentrum des Handwerks. 16 Zünfte gab es hier. Viele der Handwerker waren die Nachkommen der dt. Kolonisten, die die Stadt im 13. Jh. gegründet hatten. Der Marienplatz besitzt einen quadratischen Grundriss und mehrere davon ausgehende Gassen und Straßen. Am Platz befindet sich u.a. das Rathaus, die barocke Jesuitenkirche mit zwei Türmen und das Jesuitenkloster. Inmitten des Areals steht eine barocke Mariensäule aus dem 18. Jh. und ein großer Brunnen. Der Mariánske námestie (Marienplatz) ist Flaniermeile,  Einkaufs- und Kommunikationszentrale – der Puls der Stadt.

45 Minuten hatte der Kauf der Rückfahrkarte für unsere Gruppe im Bahnhof Žilina (Sillein) an diesem Nachmittag gedauert. Immer wieder wurden Wolfgang neue Preise genannt. Das Personal war durch diesen Auftrag absolut überfordert.

Unser Wanderführer genoss nach diesem Schrecken seinen Tee am Marienplatz besonders ausgiebig.

Am Spätnachmittag machten wir alle lange Gesichter. Harald konnte sein teueres Handy, unser "Not-Handy", nicht mehr finden. Harald hat alles auf den Kopf gestellt - aber es blieb verschwunden. Das haben wir alle sehr bedauert.
Wahrscheinlich hat es
unerlaubt seinen Besitzer gewechselt.

 

In dem alGastraum vom Restaurant Slovenska koliba in Zilinaten slowakischen Restau Unser letzter Abend im Gasthaus Slovenska koliba in Zilinarant "Slovenská koliba" ließen wir

den letzten Abend gemütlich
ausklingen.

 

 

 

 

 

 

 

 Wanderetappe: 9 km

Wanderverlauf
ist zu sehen auf der
Landkarte

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Žilina (Sillein)

 

Sehenswürdigkeiten:

 

Národná ulica
(Fußgängerstraße)

 

Námestie Hlinka

 

Mariánske námestie
(Marienplatz)

 

Kirche Hl. Dreifaltigkeit

 

Burian - Turm

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 25.08.
Žilina (Sillein) ― Mannheim / Heidelberg

Gut mit Reiseproviant versehen traten wir um 08:37 Uhr die Heimfahrt von Žilina (Sillein) aus an. Der Zug fuhr anfangs am Fluss Váh entlang. Über Považská Bystrica (Waagbistritz) erreichten wir Bratislava (Preßburg). Hier mussten wir umsteigen. Auf der Weiterfahrt nach Wien sahen wir schon große Flächen von der March und der Donau überschwemmt. In Wien-Simmering ging es mit der U-Bahn weiter zum Westbahnhof Wien. Mit dem IC kamen wir dann über Passau und Regensburg durch die großflächigen Überschwemmungsgebiete in Bayern. Um 24:00 Uhr lag ich dann wieder in meinem eigenen Bett. Medeved - slowakisch der Bär - wir sehen uns in den Karpaten!

Trotz des Reiseabbruchs fanden wir alle, die Wanderung 2005 war ein weiteres schönes Erlebnis.
Auch im Jahre 2006 werden wir erneut auf dem Internationalen Bergwanderweg Eisenach - Budapest (europäischer Fernwanderweg E3) unterwegs sein.

 

 

Medved - slowakisch der Bär - wir sehen uns 2006 in den Karpaten!!

 

Žilina ab:          8:37
Bratislava       12:32
Wien-
Westbahnhof  14:30
Frankfurt        21:51
Mannheim      22:28
Heidelberg an 22:44
 

Diese Wanderung wurde von Felix aufgezeichnet - die Bilder stellte die Wandergruppe zur Verfügung.

Fortsetzung der Wanderung

 

 

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