Krivánska Malá Fatra (Nördliche Mala Fatra), Slowakei

 

 

 

2. Wanderbericht Wandersymbol für Wanderberichte

Der Norden Ungarns – eine wenig bekannte Region Europas

Vom Hernád-Tal bis Putnok am Fuße des Bükk hegység (Bükk-Gebirge)

Im Jahre 2009 unterwegs auf dem europäischen Fernwanderweg E4  (kék-tura) − aufgezeichnet von Felix 

 Montag 25.05.  Fahrt Forró-Encs    →  Miskolc und nach Aggtelek

 

Großstadtflair und Busimpressionen

 

Bahnhof von Forro-EncsEine Stunde brauchte der Zug von Forró-Encs nach Miskolc. Es ist die drittgrößte Stadt Ungarns mit 180.000 Einwohnern und neben Budapest der wichtigste Standort der Schwerindustrie. Mit der Straßenbahn fuhren wir ins Zentrum der Stadt. Es war sehr schwül und bei der schlechten Luft in den überfüllten Wagen waren wir froh, die Innenstadt erreicht zu haben. In der Fußgängerzone herrschte reger Betrieb und die zahlreichen Läden bieten die ganze Fülle des Konsums.

Mitte des 16. Jh. zerstörten die Türken den blühenden Marktort. Fast 100 Jahre blieb die Stadt unter der Herrschaft der Osmanen. Habsburgische Truppen plünderten zu Beginn des 18. Jh. Miskolc ein weiteres Mal, da die Kuruzen während ihres Aufstandes von hier aus unterstützt wurden. Weinhandel und Eisenerzvorkommen begründeten dann später im 18. Jh. den wirtschaftlichen Aufschwung.

Die größten Sehenswürdigkeiten in Miskolc sind heute die reformierte Kirche von 1560, das Nationaltheater, die doppeltürmige Barockkirche der Mittagessen im Freien in Miskolc, UngarnMinoriten und die orthodoxe Serbenkirche.  Der von herrlichen Wäldern umgebene Vorort Miskolc-Tapolca, 7 km südlich, zählte schon im 19. Jh. zu den führenden Heilbädern Ungarns. Die radioaktiven Thermalquellen helfen auch heute noch bei Magen-, Darm- und Rheumaleiden. 

In einer Seitenstraße der Fußgängerzone genossen wir typische ungarische Küchengerichte. Meine Wahl fiel auf gefüllte Paprika. Das Essen schmeckte vorzüglich.

Weiter schlenderten wir dann durch die belebte Fußgängerzone zum Busbahnhof der Stadt, wo sich auch ein Obst- und Fussgängerzone von Miskolc, UngarnGemüsemarkt befindet. Es herrschte großes Gedränge an den Abfahrtsplätzen der Busse, die von hier aus in alle Himmelsrichtungen des Landes fahren. Auch unseren Bus hatten wir rasch entdeckt. Über zwei Stunden waren wir jetzt mit ihm bis nach Aggletek unterwegs. Er war zunächst voll bis auf den letzten Platz. Bis zur dritten Haltestation weit außerhalb der Stadt musste ich stehen. Erst jetzt fanden alle Fahrgäste einen Sitzplatz. Ich setzte mich zu einer Gruppe von Jungen in der letzten Reihe ganz hinten. Sie besuchten ein Gymnasium in Miskolc und mussten hin und zurück an jedem Schultag insgesamt drei  Stunden mit dem Bus fahren. Von Deutschland kannten sie die großen Automarken und Fußballvereine, Cseppkö-Hotel in Aggtelek, Ungarn - nahe dem Eingang zur Tropfsteinhöhlewie Bayern München und Borussia Dortmund.

Zunehmend wurde die Landschaft gebirgiger. In einem kleinen Ort wartete unser Bus auf die Einfahrt eines Zuges. Einige Zugfahrgäste fuhren dann mit uns weiter. Immer leerer wurde der Bus und um ca. 16.00 Uhr stiegen wir dann alleine an der Endstation, am Cseppkő Hotel“, aus. Das Hotel liegt etwas außerhalb des Ortes Aggtelek auf einem Hügel, unweit einer der größten Tropfsteinhöhlen Europas. Die slowakische Grenze ist nur wenige 100 m entfernt.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

 

 

 

Großer Bahnhof für den kleinen Ort
Forró-Encs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittagessen im Freien in Miskolc

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fußgängerzone
von Miskolc, Ungarn

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Hotel Cseppkő auf einem Hügel beim Ort Aggtelek, Ungarn

Dienstag  26.05.  Aggtelek   Szögliget  Aggtelek

 

Eine seltsame Begegnung, eine Geisterstadt, Ornithologen und
ein besonderer Salamander

 

Wieder erwartete uns bestes Wanderwetter, 27 ° C. Mit dem Auto ließen wir uns morgens nach Jósvafö  bringen.
22 Kilometer betrug die heutige Wanderstrecke. Abgelegen und weitgehend unberührt, zählte das Karstgebiet des Nationalparks Aggtelek in Ungarn zu den Höhenpunkten  der gesamten Pfingsttour 2009.

Durch den kleinen Ort Josvafö in Ungarn fließt die BaradlaDurch Jósvafö fließt der Baradla. Ein kleiner Bach, nach dem auch die große Tropfsteinhöhle in der Nähe benannt ist und die wir morgen besichtigen wollten. Einige Gänse und Enten am Wasser vermittelten noch eine Dorfidylle, die bei uns zu Hause kaum noch existiert. So sind die meisten Dorfbäche, oft sogar unterirdisch, in Betonrohre gezwängt.

Anfangs führte der Wanderweg aus dem Dorf hinaus am Bach entlang. Im Laubwald ging es dann, wie gewohnt, rasch voran, bis wir in einem ansteigenden Talkessel mit großen Wiesen die Orientierung verloren. Zwar führten Wege in verschiedene Richtungen aufwärts zum umliegenden Wald, aber das Wanderzeichen fehlte. „Sternförmig ausschwärmen“, Große Hochflächen werden im Nationalpark Aggtelek, Ungarn, von der Landwirtschaft nicht genutztin solchen Situationen sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team. Bereits nach einer Viertelstunde war rechter Hand der richtige Waldweg gefunden. Der weitere Verlauf der Strecke erwies sich als gut ausgeschildert. Wieder erwarteten uns Laubwald, Buchen und besonders viele Eichen. Eine große Zahl von Vogelstimmen war zu hören. Zweimal bettelten Buntspechtjunge aus Baumhöhlen heraus um Futter. Die Wege waren „weich“ zu begehen. Nur kleine An- und Abstiege wechselten sich ab. Immer abgelegener wurde die Gegend. Aus dem Weg wurde ein schmaler Pfad, auf dem wir nun wie die Gänse hintereinander unterwegs waren. Der Laubwald wurde jetzt von Fichten und Tannen abgelöst. Zwei Rehe flüchteten vor uns. Plötzlich sah ich, wie sich seitlich im dichten Harald und Felix warten auf den Rest der WandergruppeUnterholz ein Mann schnell hinter einem Baum versteckte. Er hielt ein Beil in der Hand. Rasch informierte ich meine hinter mir laufenden Kameraden und wir entdeckten vom Pfad aus unweit der verschwundenen Person einen großen gefüllten Sack.
Was konnte da drinnen sein? 
Langsam und leise schritten wir weiter vorwärts. Aufmerksam spähten wir dabei ins Gebüsch. Wenig später tauchte am Fuß einer großen Fichte ein weiterer Mann auf und über ihm im Baum noch einer. Es waren Roma. Des Rätsels Lösung zeigte sich kurz darauf. Am Wegesrand standen zwei große mit Tannenzapfen gefüllte Säcke. Die Roma sammelten sie evtl., um im Winter Feuerholz anzuzünden oder sie verkauften sie an eine Baumschule. Dort werden aus den Samen der Zapfen Setzlinge herangezogen. Der Wald blieb auch weiterhin sehr dicht. Nur gegen Mittag lichtete er sich kurzzeitig. Eine Wiese mit einem großen Hochsitz erwies sich als der ideale Platz für eine Mittagspause. Beim Weitermarsch trafen wir überraschend auf eine Füchsin (Fähe) mit zwei Jungen. Keine 10 Meter vor uns kreuzte sie mit den tollpatschigen Kleinen unseren Weg. Der Wald hörte gleich danach auf und auf mit Büschen bewachsenen Wiesen waren Hausruinen, eine kleine Kapelle sowie ein Friedhof mit Holzkreuzen zu sehen. Auch einen ehemaligen Brunnen entdeckten wir. Wir hatten das verlassene Dorf Derenk erreicht.
Geisterstadt Derenk im Nationalpark Aggtelek hat nur noch wenige Ruinen

Ursprünglich war es ein ungarisches Dorf, dessen Bevölkerung durch die Pest im frühen 18. Jh. dezimiert wurde, die Überlebenden flohen. Die Fürstenfamilie Esterházy siedelte hier jedoch ab 1711 wieder polnische Immigranten an. Die neuen Bewohner brachten ihre eigene Sprache und Religion mit. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Einwohner in einem öffentlichen Referendum befragt, ob sie zur Slowakei (Tschechoslowakei) oder zu Ungarn gehören wollten. Sie entschieden sich wohl aus wirtschaftlichen Gründen für Ungarn.

1936 wurde dann zum Schicksalsjahr des Ortes. Die abgelegene Lage und die waldreiche Umgebung waren seit jeher ideal für die Jagd. Eine Kapelle in Derenk erinnert an die ehemaligen BewohnerDer ehemalige Premierminister Miklós Horthy wollte jetzt hier ein von Menschen unberührtes Jagdgebiet schaffen. Sechs Braunbären wurden neu angesiedelt. Die lokale Bevölkerung stand diesen Plänen im Wege. Gegen Entschädigung verließen immer mehr Dorfbewohner ihren Wohnort und zogen in Nachbargemeinden mit besseren Ackeranbauflächen. Bis 1943 dauerte die Umsiedlung. Dann war Derenk menschenleer. Kirche und Gebäude wurden abgerissen.
Heute treffen sich dort aber alljährlich noch ehemalige Bewohner und ihre Nachkommen zu einem Wiedersehen.

Nach einem einstündigen leichteren Abstieg, jetzt wieder im Laubwald, erreichten wir eine Hütte des Nationalparks von Aggtelek (Szalamandra Ház). Der Nationalpark von Aggtelek wurde 1985 gegründet und ist der erste in Ungarn. Das Naturschutzgebiet umfasst über 60.000 Hektar. Szalamander Haz im Aggtelek NationalparkÜber 1.000 kleine bzw. größere Höhlen des Aggteleker und Slowakischen Karstes zählen dazu. Sie wurden 1995 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Groß war unsere Enttäuschung, als wir von zwei Parkrangern erfuhren, dass es in der Hütte außer Quellwasser nichts zu trinken gebe.
Eine dreiviertel Stunde später, nach drei Kilometern, saßen wir jedoch beim Nachmittagskaffee im Freien vor einer Gaststätte im Zentrum von Szögliget. Am Nachbartisch waren vier englische Ornithologen, die sich zu Forschungszwecken im hiesigen Nationalpark aufhielten und im
Szalamandra Ház wohnten. Schmetterlinge zählten zu ihren Studienobjekten.
Die Information überraschte uns nicht, denn dass Nordungarn für Vögel und Schmetterlinge ein Paradies ist, hatten wir als Weitwanderer längst festgestellt.

Mit dem Bus fuhren wir um 18.30 Uhr nach Aggtelek zurück. Während der Fahrt, kurz vor dem Dorf,  sahen wir auf einem Bergeshang gegenüber einen mit Büschen geformten Salamander. Er hob sich deutlich von seiner Umgebung ab. Der Feuersalamander ist das Logo des Aggtelek Nationalparks, da diese Tiere kühle und dämmrige Umgebung (Höhlen) lieben.

Unterkünfte und Wanderstrecke

Weitere Bilder unserer Wanderung 

 

Landkarte Aggtelek

 

 

 

 

 

 

 

Wanderung begann im kleinen Ort Jósvafö am Fluss Baradla .

 

 

 

 

 

 

 

Ein Paradies für Insekten:
Die Hochflächen des Nationalparks Aggtelek werden landwirtschaftlich nicht genutzt

 

 

 

 

 

 

 

Harald und Felix warten auf den Rest der Wandergruppe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Derenk,  im Nationalpark Aggtelek, sind nur noch wenige Ruinen zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapelle zum Gedenken an die ehemaligen Bewohner von Derenk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im
Szalamandra Ház
(Salamander-Haus) gab es nur Quellwasser

Mittwoch  27.05.  Aggtelek Höhlenwanderung nach Jósvafö    Aggtelek

 

Naturschönheiten in einer der längsten Tropfsteinhöhlen Europas

 Manche Höhlen im Nationalpark Aggtelek sind nur Forschern zugänglich

Das Aggtelek- und das angrenzende slowakische Karstgebiet bilden geographisch eine Einheit. Die über 1.000 Höhlen innerhalb der etwa 60.000 Hektar umfassenden Region wurden, wie schon erwähnt, von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und zählen mit zu den interessantesten und schönsten Sehenswürdigkeiten Ungarns. Der ca. 600 m hohe Karst wird immer wieder von Trockentälern durchbrochen. Bäche treten in Quelltöpfen wieder zutage bzw. verschwinden unvermittelt im durchlässigen Gestein.
Schon zu Zeiten Marco Polos (* 1254 - 1324) galt das Höhlensystem als eines der Wunder Europas.

 

 

Der Hotelinhaber fuhr uns morgens in Richtung des Nachbardorfs  Jósvafö. Etwa auf halben Weg befindet sich der Eingang am „Roten See“ (Vörös-tó) zur Baradla-Höhle.
Sie ist mit 25,5 km eine der längsten Tropfsteinhöhlen Europas. Am Eingang sind ein Restaurant und Ausstellungsräume mit Informationen über die Höhle.

Eingang zur Baradla-Höhle am Vörös-tó (Roter See)Mary, unsere Führerin, gab uns, ca. 20 Personen, zunächst einige allgemeine Hinweise bekannt. Zwei Stunden dauere die Führung und die Temperatur drinnen betrage 10 ° C, Luftfeuchtigkeit 95 – 98 %.
In eine wahre Wunderwelt bizarrer Formationen aus Kalkstein führte uns dann
eine Treppe 271 Stufen  hinunter zum Bett des Baches Styx. Er führt nur zur Schneeschmelze im Frühjahr Wasser.

Durch Wasserfärbung wurde festgestellt, dass in der Höhle drei voneinander unabhängige Niveaus existieren. Etwa einen Kilometer lang ist die so genannte „Kurze Unterhöhle“. Von dort aus fließt das Wasser durch das Schluckloch in zwei ca. 30 m tiefer liegende Unterhöhlen. Treppen führen hinter dem Schluckloch hinunter in den Riesensaal (Óriások terme). Der „Riesensaal“ ist 130 m lang, 27 m hoch und durchschnittlich 40 m breit. Archäologen haben hier Geschirrreste aus der Urzeit und sogar einen Fußstapfen eines Urmenschen gefunden.

Während des Besuchs der großen Halle ging das Licht aus und die zahlreichen Scheinwerfer brachten dann abwechselnd an den Wänden und der Decke ein unterschiedliches Farbenspektakel zur Geltung. Gleichzeitig ertönte die Stimme des großen italienischen Startenors Luciano Pavarotti, u. a. „Ave Maria“.

Einen weiteren Höhepunkt bildete die Besichtigung des Observatoriums. 17 m führte eine Treppe hinauf zu diesem 20 m hohen Tropfsteinturm. Das ca. 6-800.000 Jahre alte Gebilde ist der größte Stalagmit Ungarns mit einem Gewicht von etwa 800 t.Endemischer Blindflohkrebs lebt in der Baradla-Höhle von Aggtelek

Die Fauna der Höhle ist trotz der ungünstigen Umweltbedingungen wie Nahrungsarmut vielfältig. 20 Troglobien sind bekannt. Die meisten sind nur unter dem Mikroskop zu beobachten. Die Blindassel und der endemische Blindflohkrebs (Niphargus aggtelekiensis) sind jedoch auch mit dem bloßen Auge zu sehen. Beide Spezies sind weiß, da es in ihrer Haut keine Pigmentzellen gibt. 21 der 28 europäischen Fledermausarten kommen vor.

Ein 130 m langer Stollen führt zum Ausgang der Höhle am Hotel Tengerszem beim Ort Jósvafö.

 

Beim  Ort Josfavö ist der 2. Ausgang der Baradla-HöhleWir aßen hier zu Mittag und wanderten danach über Wiesen, Felder und teilweise auch durch dichte Hecken acht Kilometer zurück nach Aggtelek. Wacholderbüsche, viele Schmetterlinge und Vögel fielen in der Landschaft besonders auf. Eine kleine Gedenkstätte zu Ehren des hl. Franz von Assisi lud unterwegs zum Verweilen und zum Gebet ein.

Am Abend genossen wir in unserem Hotel das „Wellnessangebot“ mit Sauna und Hallenbad.

Unterkünfte und Wanderstrecke

Weitere Bilder unserer Wanderung 

 

 

 

 

Das Karstgebiet Aggtelek, ein Paradies für Höhlenforscher

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingang zur Baradla-Höhle am Vörös-tó (Roten See).
Die 25,5 km lange Höhle im Aggtelek  Nationalpark zählt zu dem UNESCO-Weltnaturerbe

Mehr Info...

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Riesensaal in der  Bardala-Höhle

(aus: "The Caves of the Aggtelek Karst")

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endemischer Blindflohkrebs

Niphargus aggtelekiensis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausgang der Höhle beim Ort Jósvafö

Skizze der Baradla-Höhle (Teil Josvafö) im Nationalpark Aggtelek

Donnerstag  28.05.  Aggtelek Kelemér

 

Wegsuche, sterbende Dörfer und Spuren eines ungarischen Dichters

 

Bei bedecktem Himmel, es blieb aber den ganzen Tag trocken, liefen wir zunächst zum Eingang der Baradlahöhle neben unserem Hotel in Aggtelek. Eingang zur Baradlahöhle beim Ort AggtelekAm Vortag hatten wir die Tropfsteinhöhle von Jósvafö aus besichtigt. Insgesamt gibt es sogar drei Höhleneingänge. Es herrschte reger Betrieb. Schulklassen warteten neugierig auf den Beginn ihrer Höhlenführung und auch die Informationsstände und –tafeln über die Höhle waren gut besucht. Wir marschierten deshalb bald durch den Ort hindurch weiter. Begleitet wurden wir, wie gewohnt, von dem heftigen Gebell der vielen Wachhunde aus den Vorgärten der Häuser.

Zwei Kilometer folgten wir dann einer Teerstraße außerhalb des Dorfes, bevor uns ein großer Eichenwald aufnahm. Mitten im Wald tauchte schon bald darauf die slowakische Landesgrenze auf und längere Zeit führte der Weg an ihr entlang.  Die großen Eichen sind besonders für viele Vögel der ideale Brut- bzw. Lebensraum. Öfters sahen wir z. B. Spechte, wie sie an Baumhöhlen ihre Jungen fütterten. Umgewühltes Laub am Wegesrand und Suhlspuren an schlammigen Stellen deuteten auf Wildschweine hin. Mehrmals flüchteten auch Rehe vor uns. Durch schwere Waldfahrzeuge war der Weg teilweise stark ausgefahren und verdichtet. Das Regenwasser konnte hier nicht ablaufen und die morastigen Streckenabschnitte waren manchmal nur mühsam zu begehen.

Nach einer Stunde hörte der Wald auf und von einer ZiehbrunnenAnhöhe aus bot sich ein herrlicher Anblick auf die umliegenden bewaldeten Täler und Bergrücken. Über lang gestreckte Bergwiesen mit ebenfalls teilweise schönen Ausblicken kamen wir weiter zügig voran. Kurz vor Zádorfalva  erkundeten wir einen Holzziehbrunnen. An einer langen Holzstange hing vorne ein Eimer, der in den Brunnen hinuntergelassen wurde und sich dort mit Wasser füllte. Nach dem Motto „Gewaltig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit Verlängerung schafft, war es dann sehr leicht, den gefüllten Eimer nach oben zu ziehen.

Am Ortseingang von Zádorfalva wohnen Roma, und eine Gruppe von Männern war gerade dabei, Wegränder und Wiesen um die Häuser herum zu mähen. Bereitwillig überließen sie mir, auf meine Nachfrage hin, eine Sense und ich durfte ihnen kurzzeitig helfen. In einer Gaststätte in der Dorfmitte machten wir eine Mittagspause.

An einer eingezäunten Weide mit Rindern und Holzställen vorbei wanderten wir weiter auf Wiesen ein schmales Tal hinauf. Viele Heckenrosen mit Hagebutten und danach Wald lösten nach zwanzig Minuten die Wiesen ab. Trotz intensiver Suche in alle Himmelsrichtungen war hier das blau-weiße Wanderzeichen nirgends zu finden. Eine ganze Stunde lang irrten wir vergeblich umher. Das „richtige Näschen“ hatte, wie so oft, unser Wanderführer.Bauersfrau im Ort Gömörszölös Nachdem der Wald geradeaus durchquert war, zeigte sich am Waldrand wieder das blau-weiße Zeichen. Traktorspuren führten über brachliegende Wiesen hinunter in das kleine Dorf Gömörszölös. Hier sagen sich im wahrsten Sinne des Wortes noch Fuchs und Hase gute Nacht.

Eine alte Frau trieb schimpfend mit einem Stock einen Hahn und zwei Hühner über die Ortsstraße. Sie sprach uns auf Ungarisch an und hätte sich wahrscheinlich gerne mit uns unterhalten, aber wir konnten uns mit ihr, da sie nur ungarisch sprach, nicht verständigen. Das Ungarische gehört zur finnisch-ugrischen Sprachfamilie. Es finden sich aber auch Einflüsse aus dem Slawischen, Türkischen und sogar aus dem Deutschen. Bei der Namensnennung ist zu beachten, dass immer zuerst der Familienname und an zweiter Stelle der Vorname genannt werden. Das gilt für die persönliche Vorstellung, aber auch für z. B. Straßennamen.
Für deutsche Ohren wirkt ein Ortsname wie „Gömörszölös“ (
gesprochen: Gömörßölösch) fremdartig.
Ein Hinweisschild am Ortsausgang des Dorfes informierte darüber, dass die EU mit finanziellen Mitteln versucht, sterbende Dörfer wieder zu beleben. Durch den Zuzug oder das Bleiben junger Menschen, denen natürlich eine berufliche Perspektive geboten werden muss, scheint man z. B. Gömörszölös wieder eine Zukunft zu geben.

Kartoffeln, Mais und Bohnen werden auf den Feldern am Ortsrand angebaut.
Drei Kilometer führten uns dann zu unserem Tagesziel, dem kleinen Ort Kelemér. Hier war der Schriftsteller Michael Tompa (Tompa Mihály 1819 – 1868 ) mehrere Jahre Pfarrer.. Ein Museum erinnert an ihn.

Schweres Leid erlitt Kelemér Unsere Unterkunft, die Bagolvár Fogadó in  Kelemér während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. 28 Tote gab es im I. und 26 im II. Weltkrieg, las ich auf einem Kriegerdenkmal in dem kleinen Ort.

 

Zum Höhepunkt des Tages wurde für uns das köstliche Abendessen in der Pension Bagolvár Fogadó.
Die Hausherrin kochte extra für uns persönlich ein typisch ungarisches scharfes Gericht aus Kartoffeln, Gulasch und Salat.
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Ihr für das gute Abendessen bedanken.

Mit den Umwegen bei der Wegsuche waren wir heute 26 km gewandert.

Unterkünfte und Wanderstrecke

Weitere Bilder unserer Wanderung 

 

 

 

 

Eingang zur Baradlahöhle beim Ort Aggtelek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ziehbrunnen beim Ort

Zádorfalva

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bauersfrau in Gömörszölös auf der Suche nach ihren Hühnern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ortsschild von Gömörszölös

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Unterkunft, die Bagolvár Fogadó,
in
 Kelemér

Freitag  29.05.   Kelemér  Putnok [Mályinka/ Bükk hegység (Bükk-Gebirge)]

 Ziel: das Bükk-Gebirge.

Ein Blick auf der Wanderkarte zeigte uns, dass wir an diesem sonnigen Tag rund 30 km auf sehr vielen Asphaltwegen hätten wandern müssen. Da kam der Vorschlag von unserem Wanderführer Wolfgang gerade Recht, dass wir die 10,7 km bis zum Ort Putnok mit dem Linienbus fahren sollten.
Die Haltestelle war direkt vor unserer Pension. Ein weiteres Ehepaar wartete bereits auf den Bus, der pünktlich gegen 9:35 kam. In 20 Minuten hatten wir die hektische Stadt Putnok erreicht.

Landstrasse bei Putnok - Von Kelemér  bis ins Bükk-Gebirge wandert man überwiegend auf Asphalt

Unterkünfte und Wanderstrecke

Weitere Bilder unserer Wanderung 

 

 

 

 

 

Von Kelemér bis ins Bükk-Gebirge wandert man überwiegend auf Asphalt

Fortsetzung des Wanderberichts