Krivánska Malá Fatra (Nördliche Mala Fatra), Slowakei

 

 

 

 

          Wanderbericht 1. Teil Wandersymbol für Wanderberichte

Von der West-Tatra über die Hohe Tatra zur Zips

Im Jahre 2007 auf dem Weitwanderweg in Richtung Budapest - aufgezeichnet von Felix

 

Donnerstag 16.08. Heidelberg  Liptovský Mikuláš

„Nicht alles Gute kommt von oben“ und ein kräftiger Wiener Fluch.

Endlich war es wieder soweit.
Die Fortsetzung unseres Weitwanderweges von Eisenach nach Budapest. Früh am Morgen startete die Kerntruppe Wolfgang, Harald, Eugen, Klaus und Felix per Flughafenzubringer vom Heidelberger Hbf. zum Frankfurter Flughafen. Verstärkt wurden wir dieses Jahr zusätzlich durch unseren Jüngsten in der Wandergruppe, Dirk. Ziel waren diesmal Flyniki - Emblem an unserm Flugzeug nach Wiendie höchsten Berggipfel der Slowakei, die Hohe Tatra und die Zips. Mit „Flyniki“ flogen wir dann nach Wien, wo wir nach 1,5 Std. sicher landeten. Unterwegs kam es zu einem Unfall an Bord. Direkt hinter mir fiel der Laptop eines Geschäftsreisenden beim Öffnen des Gepäckfaches einer Passagierin auf den Kopf.

Die Frau klagte über Kopfschmerzen und stand unter Schock.  Von Wien aus fuhren wir mit einem Taxi, einem Kleinbus, gesteuert von einem „waschechten“ Wiener, weiter nach Bratislava.

Auf der 65 km langen Strecke, vorbei an Sonnenblumen- und Maisfeldern, lernten wir durch unseren Fahrer sehr schnell etwas „Wienerisch“, den Wiener Dialekt. Eine junge Frau wendete nämlich ungefähr 150 m vor uns verbotenerweise ihr Fahrzeug auf der Schnellstraße. Dadurch waren alle Fahrer in beide Richtungen gezwungen, stark zu bremsen bzw. sogar anzuhalten. Besonders unser Fahrer geriet in Rage und als er am Auto der Frau vorbei fuhr, rief er ihr höchst erregt zu: „Bist du deppert, du Sauen!“

Brücke Novy Most in Bratislava. Im Hintergrund die BurgÜber die Ufobrücke, vorbei an Burg und Dom, erreichten wir kurz darauf den Hauptbahnhof der slowakischen Hauptstadt. Hier besorgten wir uns slowakische Kronen und Proviant für die Weiterreise mit dem Zug nach Liptovský Mikuláš (Liptauer St. Nikolaus). Dankbar waren wir wieder über die reservierten Plätze, denn der Zug war wie gewohnt sehr voll. Auf der Bahnstrecke kamen wir an uns von früheren Wanderungen sehr bekannten Orten vorbei, z.B. die Sulower Felsen und Strečno mit den zwei Burgen. Auch fuhren wir lange Zeit die Váh (Waag) entlang. Erinnerungen an unsere Floßfahrt wurden wach. Am späten Nachmittag war kurz hinter dem Liptauer Stausee Liptovský Mikuláš (Liptauer St. Nikolaus)Vor dem Wahrzeichen des Hotels Mnich: Wir sind Abmarschbereit erreicht. Mit zwei Taxis fuhren wir dann in das uns vom Vorjahr, etwa 6 km außerhalb der Stadt, bekannte „Horsky hotel Mních“. Die ruhige Lage des Hotels am Waldrand mit der frischen sauberen Luft war eine Wohltat im Gegensatz zu der stickigen Schwüle nachmittags in Bratislava und Umgebung. Übernachtet wurde in Dreibettzimmern. Auch die Küche des Hauses verdient wie im letzten Jahr ein Sonderlob.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit der Flyniki von Frankfurt-Main nach Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nóvý most
(Neue Brücke) von Bratislava mit
Bratislavský hrad 
(Bratislavaer Burg)

 

 

 

 

 

 

 

 

Gruppenbild
vor dem Mönchdenkmal an unserem Berghotel
Mních

Freitag 17.08. Liptovský Mikuláš  Podbanské

Wildbäche, der „Olymp“ der Slowakei und 
ein schwedisches Buffet.

Der Tag begann mit einem Geburtstagsständchen für unseren Wanderkameraden Dirk. Damit er bei zukünftigen Wandertouren nicht verloren geht, erhielt er als Geburtstagsgeschenk eine Wandermütze mit eingesticktem Namen.

Heute stand der erste größere Fitnesstest für unsere Gruppe bevor. Gut 6,5 Std. straffes Wandern waren bei bedecktem, aber trockenem Wetter auf einer Höhe von 850 – 950 m zu bewältigen. Nur wenige Schritte vom Hotel Mnich beginnt der Wanderweg Tatranska MagistralaÜberwiegend marschierten wir auf ebenen breiten Waldwegen durch Tannen und Fichten.

Kurz hinter dem Hotel Mních beginnt ab Rázcestie na Tokárinách die Tatranská magistrála, ein etwa 70 km langer zusammenhängender Wanderweg, der 1949 angelegt wurde. Entlang des Südhangs der Hohen Tatra verbindet er alle wichtigen Orte von Podbanské bis Tatranská Kotlina in der Belianske Tatry (Belaer Tatra).

Streckenweise oder in mehreren Tagesetappen kann dieser Tatraabschnitt erwandert werden. Immer wieder kommt man an Berghütten vorbei, in denen man nächtigen kann. Im Winter sind allerdings einige Streckenabschnitte wegen Lawinengefahr geschlossen.

Neben der Tatra Magistrale stellt die touristische Nutzung, zum Teil seit mehr als 200 Jahren, ein weiteres Bindeglied zwischen den Tatragemeinden dar. Die Menschen erkannten sehr rasch neben der Alm- und Forstwirtschaft den Fremdenverkehr als neue Erwerbsquelle. Das Gebiet verfügt sowohl über eine jahrzehntelange Infrastruktur, z.B. verkehrt die elektrische Tatrabahn seit 1912, als auch über ein reiches Angebot an sportlichen Vergnügungen wie Wandern, Klettern, Mountainbike fahren und Skifahren im Winter. Sehr lobenswert sind auch die vielen Naturschutzzonen und Reservate, allen voran der große Tatra Nationalpark.

Die Západné Tatry (West Tatra), Vysoké Tatry (Hohe Tatra) und die Belianske Tatry (Belaer Tatra) bilden zusammen die Tatra, wobei 80 % des Gebirges in der Slowakei liegen und 20 % in Polen.

Auf unserem Weg nach Podbanske in der Hohen Tatra mussten wir mehrere Wildbäche überquerenAn diesem Tag begegneten wir nur wenigen anderen Wanderern. Als kleine Höhepunkte erwies sich die Überquerung von zwei rauschenden Wildbächen.
Es ist ein überwältigendes Gefühl auf der Mitte einer Holzbrücke über einem schäumenden Bach zu stehen. Man spürt die gewaltige Kraft des Wassers, das sich mit Felsen, Baumstämmen und Steinen einen unaufhörlichen Kampf liefert. Mehrere Gasthäuser gibt es entlang dieser Teilstrecke der Tatra Magistrale, wo eingekehrt werden kann. Planmäßig erreichten wir gegen Abend den kleinen Ort Podbanské. Der Name bedeutet unter den Gruben.
Ortsschild von Podbanske
Köhler produzierten in früheren Zeiten hier Holzkohle zum Verhütten der Erze. Goldfunde erwiesen sich als nicht ergiebig. Ab Podbanské beginnt die Vysoké Tatry (Hohe Tatra).
Über dem Ort wacht der sagenumwobene
Kriváň (2.495 m). Der Kriváň (krivý =
krumm, Krümmling) wurde bei den Slowaken zu einem heiligen Berg, dem „Olymp“ der slowakischen Berge. Er wurde ein mythischer Ort national Gesinnter in der Mitte des 19. Jhs. Jährlich findet auch heute noch im August eine nationale Wallfahrt auf den „Krümmling“ statt. Auf Wanderwegen unterschiedlichster Art kann man sich ihm nähern.

Sport und Freizeit wird heute in Podbanské groß geschrieben. Das Hotel Krivan in Podbankse - leider schon etwas renovierungsbedürftigWir übernachteten etwas außerhalb im Hotel „Kriváň “. Es war voll belegt. Vor allem Familien mit Kindern scheinen hier häufig  zu übernachten. Wir lernten eine Familie aus dem Vogtland kennen. Die Mutter erzählte uns, sie seien in den Sommerferien immer hier. Unterkunft und Verpflegung seien sehr günstig und die Hotelküche genieße einen guten Ruf. Das umfangreiche schwedische Buffet am Abend ließ etwas später auch nichts zu wünschen übrig.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

 

 

 

In der Západné Tatry (West Tatra) am Horsky hotel Mních“  beginnt die Tatranská magistrála

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überqueren eines Wildbachs auf unserem Weg nach Podbanské

 

 

 

 

 

 

Ortsschild von
Podbanské

Der Ort markiert die Grenze zwischen der Západné Tatry (West Tatra) und
Vysoké Tatry
(Hohen Tatra)

 

 

 

 

 

 

 

Hotel Kriváň  am Ortsrand von Podbanské
Schon sehr renovierungsbedürftig

Samstag 18.08. Podbanské   Štrbské Pleso (Tschirmer See)

"Das Kreuz mit dem Kreuz“, Meeresaugen und
"Warum ist es am Rhein so schön"

In der Nacht hatte es stark geregnet, sogar mit Blitz und Donner. Bäume, Büsche, Wege, Bänke, alles war noch nass von den nächtlichen Schauern. Nebelfetzen hingen in der Luft. Fernsicht war unter diesen Umständen nicht möglich.
4,5 Stunden mussten heute auf Schusters Rappen zurückgelegt werden. Zunächst ging es durch den Ort, über eine Schnellstraße und einen schönen Gebirgsbach, an Häusern mit schmucken Vorgärten vorbei, aufwärts. Jetzt waren wir auch von der West Tatra in der Hohen Tatra angelangt. Unsere Stimmung wurde jedoch getrübt, da Eugen, unser "Endsechziger", über heftige Bandscheibenbeschwerden klagte und mit dem Bus zum Die durch den Orkan 2004 verursachten Waldschäden in der Hohen Tatra betragen rund 40%heutigen Tagesziel fuhr. Immer wieder kamen wir auch an Waldflächen vorbei, die an den 19. November 2004 erinnerten. Ca. 40 % aller Bäume auf der slowakischen Seite der Hohen Tatra wurde an diesem Tag durch einen Orkan umgeworfen. Viele aufgearbeitete Stämme lagen noch am Wegesrand. Durch die ungewollte „Abholzung“ drohen nun nach Regenfällen und Schneeschmelzen Überschwemmungen und Erdrutsche.
Größte Bedeutung kommt deshalb so genannten Pionierpflanzen zu. Mit seinen leuchtend rosa bis purpurroten Blüten fielen hier besonders die schmalblättrigen Weidenröschen auf. Auf den entstandenen Lichtungen hatte sich diese 50-150 Zentimeter große Pflanze aus der Familie der Nachtkerzengewächse schnell großflächig ausgebreitet.

Nach zwei Stunden Wanderung war das erste Etappenziel, Tri studničky (Drei Brünnlein) 1.141 m hoch, erreicht. Ab hier waren auch sehr viele andere Wanderer unterwegs. Überwiegend waren es junge Leute, die jetzt im August zum „Nationalheiligtum“, dem Kriváň, unterwegs waren. Bis zum Jamské pleso 1448 m musste dann noch ein Höhenunterschied von 300 Metern, teilweise recht steil, bewältigt werden.Der Bergsee Strbske pleso mit den Bergen der Hohen Tatra Danach marschierten wir noch eine Stunde abwärts bis Štrbské Pleso 1.355 m (Tschirmer See) 1.335 m. Hier am See mit herrlichem Blick auf die Bergspitzen der Hohen Tatra wurden 1960 Szenen des DEFA-Indianerfilms „Chingachgook die große Schlange“ gedreht.
Der schöne Bergsee lässt sich auf einem bequemen Promenadenweg umrunden.
Seit Ende des 19. Jh. ist Štrbské Pleso Luftkurort. Es verfügt über Kurhäuser und große Hotels. Hier hat auch die seit 1912 von Poprad verkehrende elektrische Tatrabahn ihre Endstation. Skilifte und Loipen sowie zwei große Sprungschanzen, die 1970 und 1989 für Weltmeisterschaften genutzt wurden, lassen auch im Winter keine Langeweile aufkommen.

Abendstimmung am Strbske Pleso (Tschirmer See) in der Hohen Tatra
Bei unserer Ankunft am See waren viele Kurgäste und Besucher auf dem Promenadenweg unterwegs und genossen den schönen Blick auf den dunkelblauen See. Bänke luden zum Verweilen ein. Die Tatraseen sind sehr tief, manche bis zu 40 m. Die große Tiefe und der meist fehlende Zu- und Abfluss führten zu der volkstümlichen Vorstellung, dass sie über eine unterirdische Verbindung zu den Weltmeeren verfügten. Man nannte sie daher „morské oko“, was Meeresauge bedeutet. Etwa 100 solcher Bergseen gibt es im slowakischen Teil der Tatra.

 Hotel FIS direkt an der Schisprungschanze in Strbske plesoNach ungefähr einem Kilometer weiter, an einem Sportplatz, Andenkenläden und Tennisplätzen vorbei, erreichten wir dann das Hotel FIS, wo wir uns für zwei Nächte einquartierten. Abends besuchten wir dann 500 m entfernt eine zum Hotel gehörende Koliba. Kolibas erinnern an den Räuberhauptmann Jánošík und sind Holzblockhäuser. Auch das Inventar besteht aus Holz. An den Wänden hingen Fujaras (slowakische Hirtenflöten), Valaška (Streitäxte – die Bewaffnung Jánošíks) sowie Dreschflegel. Auch das Konterfei desInnenansicht der Koliba unterhalb unseres Hotels FIS in Strbske pleso (Tschirmer See ehemaligen Räubers und heutigen Nationalhelden hing, vom Aussehen ähnlich wie Hans Albers, auf modern getrimmt, an der Hüttenwand. Eine Gruppe Roma mühte sich mit ihrer Musik Stimmung unter die Gäste zu bringen. Bei deftigem Essen, Kapustnica (Krautsuppe mit Wurst), Šopský šalát (Tomaten-, Paprika-, Zwiebel-, Schafskäsesalat), Guláš mit Nudeln sowie zum Nachtisch Palacinky (süße Pfannkuchen) wurde es ein gemütlicher Abend. Die Zigeunermusiker spielten uns zuliebe später sogar am Tisch das deutsche Lied:
Warum ist es am Rhein zu schön".

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

 

 

 

 

 

 

40 % Waldschäden in der Hohen Tatra durch einen Orkan im Herbst 2004

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der herrliche gelegene Bergsee Štrbské Pleso (Tschirmer See)

im gleichnamigen Ort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abendstimmung am Bergsee Štrbské Pleso  (Tschirmer See)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Hotel FIS in Štrbské Pleso

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Koliba unterhalb des Hotels FIS in Štrbské Pleso  (Tschirmer See)

Sonntag 19.08.
Rundweg:
Štrbské Pleso Predné Solisko Štrbské Pleso

Bergpanorama, Touristenrummel und ein Riesenhaxen

Bei traumhaft schönem Wetter fuhren wir mit der Seilbahn auf  die 1.840 m hoch gelegene Chata pod Soliskom hinauf.

Hinauf auf die Berge“ war auch bei vielen anderen die heutige Devise. Eine Bärenjagd der besonderen ArtVor allem viele Familien nutzten das herrliche Wetter für einen Ausflug in die Natur. Auch Eugens „Stoßdämpferschmerzen“ waren wieder so weit abgeklungen, dass er wieder mit dabei war.
Von der Bergstation der Seilbahn Chata pod Soliskom, 1.840 m hoch, war noch ein einstündiger schweißtreibender Aufstieg über Felsen, Geröll und im unteren Bereich durch Knieholz zum Gipfel des 2.120 m hohen Predné Solisko zu meistern.
Die Aussicht nach unten und auf die umliegenden Berge war
Vor dem Berg Krivan in der Hohen Tatra: Felix atemberaubend.
Gegenüber das West Tatragebirge, vor uns, rechts und links majestätisch gewaltig höchste Bergspitzen der Hohen Tatra: Satan 2.422 m, Rysy (Meeraugspitze) mit 2.503 m der höchste Berg Polens. Der Name ist abgeleitet aus der Goralensprache „porysovane“ = zerklüftet und der Kriváň mit 2.494 Metern der heilige Berg der Slowaken. Deutlich sah man seinen schiefen Gipfel.
Eine Legende erzählt, Gott habe einen Engel ausgeschickt, um die Welt an manchen Stellen mit besonderen Naturschönheiten zu versehen. Der göttliche Bote unterschätzte die Höhe des Gebirges, blieb mit dem Sack, der das wertvolle Gut enthielt, am
Kriváň hängen, so dass er es an dieser Stelle ausschüttete – die Spitze des Gipfels blieb jedoch seit diesem Zusammenstoß schief. Vielleicht ist es gerade die „Unvollkommenheit“ des Berges, die die Menschen in besonderem Maße anzieht.Klaus überblickt die vielen Gipfel der Hohen Tatra
A
uch unsere Wandergruppe will ihm eines Tages aufs Dach steigen. Es wäre sicherlich die Krönung auf der gesamten Wanderstrecke von Eisenach nach Budapest, den Olymp der Slowakei kennen zu lernen.
Auf dem 2.120 m hohen Predné Solisko genossen wir ca. 1,5 Stunden das Panorama. Schneefelder konnten wir keine entdecken. Steile Lawinenhänge und Felsabbrüche sorgten automatisch für größte Vorsicht beim Herumklettern im Gipfelbereich. Nach einem ausgiebigen Sonnenbad, was manche sogar oberkörperfrei genossen, Berggipfel östlich des Predne Solisko: die Berge um den Satanstiegen wir wieder zur Hütte der Seilbahnbergstation hinunter. Mittlerweile war die Zahl der Gipfelbesucher so groß, dass wir an Felsengpässen warten mussten, um Langsamere zu überholen oder bergauf kletternde Gruppen vorbei zu lassen. Nach einer kleinen Rast in der Hütte, nur Eugen fuhr wieder mit der Bahn nach unten, wanderten wir einen schmalen Felsplattenpfad an Knieholz vorbei weiter abwärts. Wir kamen an Bergwiesen mit einem kleinen Bach vorbei, an dem viele Sonntagsausflügler Picknick machten. Zwei Ehepaare aus Sachsen erzählten uns, sie verbrächten jedes Jahr hier in Štrbské Pleso ihren Urlaub. Vorbei an Windbrüchen und Kahlflächen, wiederum mit
Weidenröschen bewachsen, wohl auch Folgen des Orkans von 2004, erreichten wir wenig später wieder den Štrbské Pleso (Tschirmer See).

In der Koliba hat Dirk sich einen Haxen bestelltAbends besuchten wir wieder eine Koliba, dieses Mal direkt am Seeufer. Sie gehörte zu dem Hotel Patria. Ein Akkordeonspieler brachte sein gesamtes Repertoire an deutschen und österreichischen Volksliedern und Schlagern auch durch Gesang hervorragend zur Geltung. Gelegentlich stimmten wir sogar mit in die Lieder ein. Bei ausgezeichnetem Essen ließen wir den Abend harmonisch ausklingen. Dirk brachte uns noch zum Lachen. Er hatte aus der Speisekarte Haxen mit Knödeln bestellt. Mit 3,5 kg Haxengewicht hatte er allerdings nicht gerechnet. Diese Portion konnte auch er nicht bewältigen. Überraschend sahen wir dann noch aus dem Fenster eine Hirschkuh, die auf dem Weg zum Trinken vom Wald zum Tschirmer See unterwegs war.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

Landkarte Hohe Tatra

 

 

"Hinauf  auf die Berge...." einmal anders verstanden

 

 

 

 

 

 

 

Blick auf den
2.494 m hohen Kriváň, dem heiligen Berg der Slowaken.

Wir werden ihm noch ´mal aufs "Dach" steigen!

 

 

 

 

 

 

 

 

Klaus genießt die Aussicht vom
Predné
Solisko

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick auf die zerklüfteten Berggipfel rund um den Berg Satan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dirk "kämpft" in der Koliba mit einem 3,5 kg schweren Haxen

Montag 20.08.  Štrbské Pleso   Sliezsky dom (Schlesier Haus)

Das Sahnehäubchen der Tatranská magistrála, ein Kinderbett und ein Zimmer unter Wasser

Mini-Alpen wird die Hohe Tatra auch genannt, die Teil der Karpaten ist. Nahezu alle alpinen Landschaftsformen sind hier auf relativ kleinem Raum, auf slowakischer Seite 260 km², vorzufinden. Der Hauptkamm der Hohen Tatra erstreckt sich zwar nur bescheidene 26 km entlang, fällt aber kaum unter die 2.000 m-Marke. Immerhin 24 Gipfel überschreiten die 2.500 m-Grenze. Die höchste Erhebung ist die Gerlachovský štít (Gerlsdorfer Spitze) mit 2.655 m. Sie ist damit zugleich der höchste Berg der gesamten Karpaten. Bis auf 500 m sollten wir heute an diesen höchsten Gipfel heran kommen. Für uns stand nämlich die Wanderung auf dem „Juwel“, dem schönsten Teil der Tatranská magistrála, bevor. Diese Teilstrecke ist ein Wandertraum und war für mich, neben der Tagesstrecke in der Mala Fatra auf den kleinen und großen Kriváň (ebenfalls wie in der Hohen Tatra Kriváň  genannt) bisher das Beste auf der gesamten Tour nach Budapest.

KurzAusblick kurz vor dem Popradske pleso (Poppersee) in der Hohen Tatra nach neun Uhr marschierten wir bei schönem Wetter los. Verabschiedet wurden wir am Hotel FIS durch das Gezwitscher von einer großen Zahl Mehlschwalben, die an der Hausfassade unterhalb der Balkone und Fenster viele Lehmnester errichtet hatten und sich wohl schon auf den Flug in den Süden vorbereiteten. Zunächst ging es rasch aufwärts durch einen Tannenwald. Das ideale Wetter hatte auch viele andere Wanderer auf die Panoramastrecke gelockt. Darunter waren von der Ausrüstung und Kondition her absolute Profis.
Obwohl wir recht zügig ausschritten, überholten uns doch manche Gruppen. Auch etliche Jogger waren unterwegs. Nach einer Wegkreuzung führte uns ein ebener, teilweise terrassenförmiger Weg aus breiten Felsblöcken zum
 Horský Hotel pri Popradskom plesom, gelegen an dem grünlich schimmernden Popradské pleso (Poppersee). Die Aussicht hinunter auf die Nadelbäume im Tal, zum See und auf die umliegenden gewaltigenPopradske pleso (Poppersee) mit der Chata Horsky Hotel Popradske pleso hohen Fels- und Zinnenspitzen war überwältigend.
Ab ca. 1.500 m endet die Waldgrenze. Hell weißlich glitzernde kleine Wasserfälle rauschten nach unten. Felsgrate des Rysy 2.503 m, des Patria 2. 203 m und des Mengusovský štít 2.227 m wirkten majestätisch und
mächtig.

Vom See aus führte ein mit einer Stunde Gehzeit ausgeschilderter Serpentinenpfad sehr steil hinauf auf den 1.966 m hohen Sedlo pod Ostrvou. Es war die steilste und anstrengendste Wegstrecke unserer gesamten Sommertour 2007, aber auch mit die faszinierendste.
Auf dem gesamten Steilhang waren unzählige Bergwanderer Der Sattel Ostrvou oberhalb des Poppersees ist erreichtin Gruppen oder alleine unterwegs. Rasch hatten auch wir an Höhe gewonnen und es zeigte sich, dass unsere Truppe über eine gute Kondition verfügt.
Allseitige Bewunderung und Bravorufe wurden einem etwa 70-jährigen bärtigen Mann zuteil, der den Aufstieg schnell hinauf joggte. 20 Minuten später lief er an uns schon wieder abwärts mit den Worten „super, super“ vorb
ei.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Weg von Štrbské Pleso zum
Horský Hotel pri
Popradskom plesom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Popradské pleso (Poppersee)

mit dem Horský Hotel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 1.966 m hohe Sattel:

Sedlo pod Ostrvou ist erreicht

Nach einer knappen Stunde schweißtreibendem AnstiegBlick vom Sattel Ostrvou auf den Poppersee mit der Berghütte waren auch wir oben auf dem Sattel des Ostrvou, rasteten  und genossen den Blick auf die grauen Felsgipfel und den weit unten liegenden Popradské pleso (Poppersee) mit dem Hotel. Auf der Wind abgewandten Seite des Berges schritten wir dann auf einem schönen künstlich angelegten Weg aus Felsplatten und –blöcken weiter aufwärts und dann längere Zeit eben. Es war sicher ein großer Aufwand und bedurfte schweren Gerätes, diesen Panoramaweg anzulegen. Aber es hatte sich gelohnt. Weit reichte der Blick in die Landschaft. Links oben waren die steilen  Unser Wafü Wolfgang auf einem Steinplattenweg der Tatranska MagistralaTatragipfel, rechts unten sah man größere Flächen mit Waldschäden, die durch den Orkan von 2004 verursacht wurden. Auch die Tatrabahn hörten und sahen wir außerhalb kleinerer Orte. Das Gehen auf den unebenen Felsplatten, teilweise mit Gesteinsbrocken übersät, erforderte allerdings größte Aufmerksamkeit. Leicht konnte man sich hier den Fuß vertreten. Beim Ausweichen vor anderen Wanderern rutschte ich z. B. von einer Platte ab und verstauchte mir leicht den Fuß. Hinter einem Abhang gelangten wir dann an einen im Uferbereich mit Felsbrocken und Geröll umsäumten Bergsee, dem – Batizovské pleso 1.804 m. Er liegt direkt am Fuß des höchsten Karpatengipfels, der Gerlachovský štít (Gerlsdorfer Spitze). Kleine Wasserfälle rauschten auch hier wieder von oben in den See.

Die steilen Felswände und Zinnen bildeten einen Gerlachovsky stit (Gerlach Spitze), mit 2.655m der höchste Berg der Hohen Tatragrandiosen Anblick. Das klare saubere Wasser des Gletschersees schmeckte ausgezeichnet. Es war allen sofort klar, an diesem schönen Ort musste man einfach eine Pause einlegen. Auch einige andere Wandergruppen taten es uns gleich und genossen das idyllische Berg- und Seepanorama. Bald zogen jedoch dunkle Wolken über dem Gerlachovský štít auf und der Wind wurde stärker. Rasch wanderten wir weiter und befürchteten schon in ein Unwetter zu geraten.
Nach einer Stunde hatten wir dann aber glücklicherweise trockenen Fußes unser Nachtquartier Chata Sliezsky dom (Schlesierhaus) erreicht. Die Berghütte (1.683 m) liegt herrlich Das Schlesier-Haus in der Hohen Tatragelegen an dem Velické pleso (Bergsee) inmitten des Bergmassivs der Gerlachovský štít  und des Bradavica 2476 m.

Auf einer hölzernen Aussichtsterrasse war der heiße Tee mit Slibowitz nach den Tagesanstrengungen eine Wohltat. Gleich zu Beginn des Abendessens zeigte sich, dass unsere Befürchtungen hinsichtlich des Wetters nicht unberechtigt waren. Draußen brach ein fürchterliches Unwetter mit Starkregen, Blitz, Donner und einem heftigen Sturm los. Wehe dem, der jetzt noch im Gebirge unterwegs war.
Bei der Rückkehr auf unsere Zimmer fanden Harald und Klaus den halben Raum unter Wasser vor. Ein Fenster war vom Sturm aufgedrückt worden. Fast alle Fenster waren aber auch undicht, es zog und pfiff beängstigend.Wer hätte das gedacht, Dirk und Felix im Kinderbett ...
Viele Kleidungsstücke waren nass geworden und der Trockner lief die ganze Nacht.
Dirk und ich waren gezwungen, nebeneinander in einem großen Kinderbett zu schlafen, was allgemeine Heiterkeit auslöste.
Trotzdem schliefen wir alle ausgezeichnet. Um 5:00 Uhr morgens sah ich aus dem Fenster eine Wandergruppe beim Abmarsch auf den höchsten Berg der Hohen Tatra, die Gerlsdorfer Spitze.

 

 

 

Blick vom Sedlo pod Ostrvou auf den Popradské pleso (Poppersee)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Wafü Wolfgang unterwegs auf dem Panoramaweg -  der Weg besteht  aus Felsplatten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Bergsee Batizovské pleso Blick auf  Gerlachovský štít (Gerlsdorfer Spitze)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chata Sliezsky dom (Schlesierhaus) ist dringend renovierungsbedürftig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch in einem Kinderbett lässt es sich gut ruhen .....

Dienstag 21.08. Sliezsky dom (Schlesier Haus)   Zámkovského chata (Zamkovsky Hütte)

Sherpas, Hüttenromantik und Matratzenlager

Frühmorgens, bei gutem Wetter vor dem Frühstück, machte ich einen Spaziergang um den Bergsee. Ein schmaler Pfad führte durch Krüppelkiefern (Knieholz) und über zahlreiche steil herunter stürzende Bächlein, die den See speisen. Ganz Schlesierhaus in der Hohen Tatra mit dem Gerlach-Gebirgsmassiv im Hintergrundhinten, gegenüber von der Berghütte, rauschte ein schmaler, aber starker Wasserfall. Winzig klein kommt man sich beim Anblick der schroffen und mächtigen Felsgrate und –wände rundherum vor. Aber man spürt auch die gewaltige Kraft. Ein Naturphänomen, das fasziniert. Die Lage der Schlesierhütte an dem See ist wirklich traumhaft. Das Gewitter von gestern Abend hatte aber auch gezeigt, welche Naturgewalten hier oben toben können.

Weiter ging es heute noch einmal auf einem schönen Teilstück der Tatranská magistrála. Anfangs marschierten wir längere Zeit durch Knieholz, links oben die Tatragipfel, rechts unten im Tal wieder zerstörte Waldgebiete und kleine Orte. 1,5 Stunden war der felsige Bergpfad gut begehbar. Dann folgte ein 10-minütiger unangenehmer Fels- und Wiesenabhang, wurzelreich, nass und mit Steinbrocken übersät. Einige Familien kamen uns mit kleinen Kindern entgegen, denen die Strapazen noch bevorstanden. Im dichten Fichtenwald führte ein bequemer breiter Weg weiter leicht abwärts. Auf einer großen Bergwiese mit einem Skilift standen nach jeweils 30 m Höhenunterschied zahlreiche Borkenkäferfallen. Kurz darauf waren wir am Hrebienok (Kämmchen) 1.263 m angelangt. 3-4 Restaurants erwarten hier den Besucher.
 
Auch heute war reger Ausflugsbetrieb. Die Standseilbahn brachte immer wieder neue Touristengruppen von Starý Smokovec herauf. Die Aussichtsterrassen der Lokale warenLastenträger auf dem Weg zur Zamkovskeho Chata bei dem sonnigen Wetter sehr begehrt. Auch wir machten Mittagspause und genossen eine kleine Erfrischung. Große gelbe Roller, ohne Motor, konnten für die Abfahrt ins Tal nach Starý Smokovec gemietet werden. Jeder Fahrer erhielt eine Inline-Skater-Ausrüstung.

Auf einem gut markierten Waldweg wanderten wir inmitten einer wahren Völkerwanderung weiter zum Velký Studený potok (Großer Kalter Bach), der sich teilweise in schönen Wasserfällen durch das felsige schluchtenartige Gelände seinen Weg sucht. 10 Minuten später überquerten wir auf einer Holzbrücke einen weiteren sehr mächtigen Wasserfall (Obrovský). Gewandert wurde jetzt aufwärts auf unebenen aneinander Die Aussenansicht der stark besuchten Zamkovskeho Chata in der Hohen Tatragereihten Steinen und Felsen, was beim Gehen volle Konzentration erforderte. Bereits nach einer halben Stunde, um 14:00 Uhr, war dann schon unser Ziel, die Zamkovského chata (Zamkovsky Hütte) 1.475 m, erreicht. Auf der Terrasse und im Gastraum waren vor allem junge Tagesgäste zu sehen, die von der Seilbahnstation aus zur meistbesuchten Hütte der Hohen Tatra aufgestiegen waren.

Die Versorgung der Hütte erfolgt durch Sherpas (Lastenträger). Schon unterwegs hatten wir einen jungen Mann mit einer großen Kiepe auf dem Rücken überholt. Selbst ein Bierfass, 63 kg Gesamtgewicht, wird auf diese Weise nach oben getragen. Eine Kiepe ist unten schmal und wird nach Innenansicht der Zamkovskeho Chata in der Hohen Tatraoben immer breiter, so dass der Schwerpunkt weit oben ist. Dieses Prinzip ermöglicht es erst, so schwere Lasten längere Zeit zu tragen. Sogar Sherpameisterschaften werden hier in der Slowakei durchgeführt. Übernachtet wurde zu sechst in einem Raum auf Feldbetten, jeweils zwei übereinander.

Die Unterkunft war voll belegt. Ganz oben kletterten sogar einige über eine Leiter in den Dachraum und übernachteten auf Matratzen. Selbst in der Gaststube hatten, wie ich am frühen Morgen feststellte, zwei „Sherpas“ übernachtet. Dusche und WC werden von allen gemeinsam benutzt. Sherpa-Kräutertee und Tatramelka-Kuchen sind die Spezialität der Küche.
Um 22:00 Uhr herrschte Nachtruhe und nur mit Taschenlampen ging es nachts auf die Toilette.

Abendstimmung an der Zamkovskeho Chata; Blick in Richtung Stary Smokovec

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

 

 

 

Abschied von der Schlesierhütte.
Im Hintergrund die
Gerlachovský štít (Gerlsdorfer Spitze)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lastenträger versorgen die Tatra-Hütten mit Lebensmitteln.
Bis zu 63 kg Gewicht werden auf dem Rücken getragen.

 

 

 

 

 

 

 

Außenansicht der

Zámkovského chata (Zamkovsky Hütte)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Gastraum der Zamkovského chata (Zamkovsky Hütte)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abendstimmung ─

Blick von der Zamkovského chata in Richtung Starý Smokovec
(Altschmecks)

Mittwoch 22.08. Zámkovského chata  Ždiar (Morgenröthe)

Goralen und ein Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Schon frühmorgens, während des Frühstücks, ab 8.00 Uhr, trafen die ersten Wanderer auf  der Hütte ein. Die Zamkovského chata (Zamkovsky Hütte) ist ein idealer Ausgangspunkt für Bergausflüge, z.B. auf die Lomnický štít (Lomnitzer Spitze) 2.634 m. Dieser zweithöchste Berg der Hohen Tatra war auch heute unser Ziel. Unsere Vorfreude auf das Bergpanorama in dieser Höhe verflog aber schnell. „Die Kabinenseilbahn fährt heute wegen zu starkem Wind nicht“, teilte uns die Hüttenwirtin nach telefonischer Anfrage bei der Bergbahnstation Skalnaté pleso (Steinbachsee) mit. Sehr enttäuscht beschlossen wir nach Tatranská Lomnica (Tatralomnitz), der Name leitet sich von dem zweithöchsten Berg der Tatra ab, abzusteigen. Beim Abwärtsgehen kamen wir wieder an den beiden vom Vortag bekannten Wasserfällen „Obrovský“ und „Velký Studený potok (Großer Kalter Bach)“ vorbei.
Wasserfall des Baches Studeny potok in der Hohen TatraBis hierher waren auch viele andere Wanderer unterwegs, im weiteren Verlauf der Strecke wurde es zusehends ruhiger. Zunächst begeisterte uns noch der Wasserfall dlhý vodopád mit den großen Wasserbecken des Kalten Baches. Die mit Tannen- und Fichtennadeln bedeckten Wege sowie das sanfte Gefälle waren eine Erholung im Gegensatz zu den unebenen ansteigenden Felsplattenwegen der Vortage. Im dichtesten Walddickicht trafen wir zwei ältere Pilzsammler. Felix vor dem Langen Wasserfall auf 1.160 m HöheWährend der eine einige prächtige Sommersteinpilze stolz präsentierte, hatte der andere noch nichts gefunden. An einem breiten Waldwirtschaftsweg, der von schweren Fahrzeugen tief ausgefahren war und in dem deshalb viele Regenwasserpfützen standen, sahen wir einen so genannten „Vollernter“ bei der Aufarbeitung von Sturmholz im Einsatz. Zuerst umklammert er einen Baum unten am Stamm, fährt dann mit einer Rundsäge hoch bis zur Baumspitze, sodass alle Äste abgeschnitten sind. Dann zerschneidet er den Stamm von oben in 1-Meter lange Teilstücke. Der Fahrer sitzt währenddessen im schwer gepanzerten Führerhaus mit Überrollbügel. Auch das Schleifen und Übereinanderschichten der Baumstämme am Fahrweg übernimmt die Maschine.
Im Schlussteil über Teerstraßen, vorbei an der unteren Seilbahnstation zum Lomnický štít (
Lomnitzer Spitze) – heute nur bis zur Zwischenstation Skalnaté pleso (Steinbachsee) in Betrieb, ereichten wir den Ort Tatranská Lomnica (Tatralomnitz). Hier erwarten den Besucher repräsentative Hotelbauten, z.B. das Grandhotel Praha. Durch einen schönen Park, der Kurbetrieb scheint sich hier in Grenzen zu halten, gelangten wir zum Busbahnhof. Sehr schön war von dort der Blick entlang der Seilbahn hinauf zur Lomnitzer Spitze.

Jetzt aber hieß es Abschied nehmen von der Tatranská magistrála. Wir waren uns alle einig, diese etwa 70 km lange Wanderroute entlang dem südlichen Hohen Tatramassiv, zählt mit zu den Hauptattraktionen der Slowakei. Für Wanderbegeisterte ist sie ein Geheimtipp.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder von der Wanderung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der dlhý vodopád
(Langer Wasserfall) des Baches Studený potok

 

 

 

 

 

 

Felix am 1.160 m hoch gelegenen "Langen Wasserfall"

Altes Goralenhaus im Ort Zdiar. Im Hintergrund die Belanske TatryMit dem Bus fuhren wir dann nach Ždiar (Morgenröthe) 896 m.
Das Dorf liegt sehr abgelegen schon in der Belianske Tatry (
Belaer Tatra). Es ist eine Goralengemeinde. Goralen sind vor allem im polnischen, aber auch im slowakischen Teil der Beskiden lebende Bergbauern, die sich ihr traditionelles Brauchtum zum Teil noch bewahrt haben. Nachdem wir in der Pension Jánošík Quartier bezogen hatten, machten wir einen Rundgang durch den Ort. Ždiar erstreckt sich 6 km lang. Es ist ein Hufendorf, d.h. die Häuser stehen fast nur rechts und links der Ortsstraße. Die Fenster der Goralenhäuser sehen wie nach einem Strickmuster gemalt ausAuffallend sind einige Holzblockhäuser, die durch Schnitzereien und Ornamentschmuck prächtig heraus geputzt sind. Die Fugen zwischen den Holzbalken sind farblich hervor gehoben. Rot, blau oder grün mit weißen Kreuzen und Strichen, die an Strickmuster erinnern.
Glücklicherweise sind diese Holzhäuser heut denkmalgeschützt.
Der frühere DDR-Massentourismus soll viel Schaden angerichtet haben, da die Bewohner die alten Häuser durch moderne Massivhäuser ersetzten. Für das Dorf bleibt die Pflege der goralischen Kultur eine unbedingte Notwendigkeit. Neben der
Leider gibt es im Ort Zdiar nur noch wenige Goralenhäuser mit deren typischen Bemalungherrlichen Lage in der abgeschiedenen Natur mit dem Blick auf das Tatramassiv ist das Brauchtum und die Tradition der Goralen, z.B. Tänze, Lieder, Trachten mit ganz speziellen Hüten, die Holzhausbauweise sowie bäuerliche Sensen, Rechen und Heuwägen, der zweite Schatz des Ortes, besonders für den Tourismus.

Abends besuchten wir das schöne goralische Spezialitätenlokal „Goralska Ždiar“. Es ist eine Koliba (Holzblockhütte) mit Bildern vom bäuerlichen Leben der Bergbauern an den Holzwänden. Ein Besuch ist nicht nur wegen der guten regionalen Küche empfehlenswert. Kurz nach 22:00 Uhr machten wir uns auf den Heimweg zu unsererGastraum der Koliba Goralska Zdiar Pension. Es war stockdunkel, keine Straßenlampe brannte mehr. Bürgersteige gibt es keine, sodass bei vorbei fahrenden Autos größte Vorsicht angebracht war. Einheimische, die uns begegneten, hatten deshalb Taschenlampen dabei. Auf Eugen und mich wartete noch eine weitere Überraschung. Die Rezeption war nicht mehr besetzt und unser Zimmerschlüssel war dort deponiert. Erst nach einer Stunde rettete uns eine junge Litauerin, ebenfalls ein Gast der Pension, aus der unangenehmen Lage. Sie hatte die Handynummer des Portiers.

Das Goralendorf Ždiar mit seinen zwei Hausbergen: Havran (Rabenstein) 2.152 und Ždiarska vidla (Greiner) 2.142  m

 

 

 

 

 

 

 

Leider tragen nur noch wenige Holzhäuser in Ždiar Ornamentschmuck

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ornamente an den Holzhäuser  erinnern an Strickmuster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Gastraum der 
Penzión Ždiar, die Koliba: "Goralska Ždiar".
 

Donnerstag 23.08.
Ždiar (Morgenröthe)  Spišská Stará Ves (Zipser Altendorf)

Dorfpanorama, Heidelbeerteppiche, Sturm und ein Wellnesshotel

Leider war das kleine Bauernmuseum an diesem Morgen geschlossen und in den beiden Einkaufslädchen von Ždiar war weder Mineralwasser noch Obst für die sechsstündige Tageswanderung erhältlich. Bei Ort Zdiar mit den 2 markanten Bergen der Belaer Tatra, der Havran 2.151 m und Zdiarska vidla 2.142 mbedecktem Himmel, aber ohne Regen, marschierten wir zunächst 2 km durch das Dorf. Noch einmal bewunderten wir die goralische Kunst an einigen Häusern. Dann begann ein lang gezogener einstündiger Aufstieg am Nordhang des Ortes in die Spišská Magura mit ihren berühmten „Heidelbeerteppichen“. Während des 300 m steilen Anstiegs bot sich ein traumhafter Blick auf Ždiar mit den großen umliegenden Bergwiesen und auf die beiden gegenüber liegenden Hausberge Havran (Rabenstein) 2.152 m und Ždiarska vidla (Greiner) 2.142 m. Einzelne Kühe und Schafe, Kartoffelfelder sowie getrocknetes Heu, um Stangen aufgeschichtet, vervollständigten die malerische Kulisse.
Kurz vor der Bergkuppe Magurka (1.193 m) nahm uns dichterDer höchste Gipfel der Belaer Tatra, der Havran 2.151 m und den zweithöchsten Gipfel, der Zdiarske vidla 2.142 m Fichtenwald auf. Oben ging es dann auf einem bequemen Waldweg weiter. Teilweise wurde der Weg zu einem schmalen Pfad. Rechts und links waren jetzt auch viele Heidelbeersträucher zu sehen, jedoch waren im Gegensatz zu den Jahren zuvor nur wenige der köstlichen Früchte zu sehen. Neueste Forschungen ergaben sogar, dass Heidelbeeren durch den Stoff Polyphenol Alzheimer vorbeugen. Die Heidelbeerernte muss jedoch dieses Jahr so schlecht gewesen sein, dass wir in Hotels und Restaurants Heidelbeeren als Nachtisch auf der Speisekarte vergeblich suchten.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

 

 

 

Die beiden Hausberge von Ždiar: Havran (Rabenstein) 2.152 und Ždiarska vidla (Greiner) 2.142 m

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Kammweg hat man Aussicht auf die Berge der Belianske Tatry (Belaer Tatra)

Kurz nachdem wir wieder einer älteren Pilzsammlerin mit einem großen Korb mit Stein-, Birkenpilzen und Maronen begegnet waren, trafen wir auf eine durch Sturmholz entstandene große Lichtung. Kein Wanderzeichen war mehr zu entdecken. Erst nach einer dreiviertel Stunde vergeblicher Suche nach dem richtigen Weg hatte wieder einmal unser Wanderführer die richtige Spürnase. Die schweißtreibende Anstrengung mit weiten erfolglosen An- und Abstiegen zwang uns bald darauf zu einer ausgiebigen Mittagsrast am Wind abgewandten Waldrand. Weiter ging es dann auf einem fast Die Waldschäden sind in der Zipser Magura durch den Orkan 2004 beträchtlich.baumlosen Hangsattel entlang. Hier hatte der Orkan von 2004 ganze Arbeit geleistet. Das Holz war schon abtransportiert, zahlreiche Baumstümpfe ragten aus den kahlen Abhängen links und rechts hervor. Eine Planierraupe schob Wurzelstümpfe zusammen. Ein heftiger Sturm hatte mittlerweile eingesetzt und es pfiff auf dem Höhenweg gewaltig. Kleine Baumgruppen, die noch standen, schwankten und bogen sich heftig um ihre Achsen. Belohnt wurden wir jedoch durch die hervorragende Fernsicht. Hinten sah man das Tatramassiv, vor uns die Zipser Magura mit Tälern und kleinen Orten, bis zum Trzy Korony (Dreikronenberg) in Polen reichte der Blick.Schäden durch den Orkan Quimburga im Jahre 2004 waren auch 2007 noch nicht beseitigt
Zwei größere Feuer weiter unten, offensichtlich wurden Äste und Baumwurzeln verbrannt, zwangen uns oben ca. 200 m die stark rauchgeschwängerte Luft einzuatmen. Allmählich führte der Weg, nun wieder im Fichtenwald, sanft abwärts. In Regenpfützen waren Kaulquappen und Rotwildspuren. Sogar eine kleine Kreuzotter entdeckten wir. Hochsitze und Wildfütterungen waren mehrfach am Wegesrand zu sehen.

Nach einem kurzen Abstieg gelangten wir am Magurské sedlo auf eine Teerstraße mit Bushaltestelle und schon zehn Minuten später saßen wir im Bus nach Spišská Stará Ves (Zipser Altendorf). Dort gingen wir noch 1,5 km auf einer Teerstraße vom Busbahnhof bis zum außerhalb des Ortes gelegenen Hotels Eland. Hier erwartete uns ein gepflegtes gehobenes Ambiente. Zunächst nutzten wir das Hallenbad mit einem Eingang zum Hotel Eland am Ortsrand von Spisska Stara VesWarmwasserbecken und Warmwasserdüsen. Tennisplätze, Spielplätze und Holzhütten zum Übernachten stehen zur Verfügung.
Auf einer schönen Terrasse mit Rasen erhielten wir ein vorzügliches Abendessen. Junge Slowaken feierten an den Nachbartischen. Sie prosteten uns zu und auch wir genossen bei einem guten Glas Rotwein den Abend.

Wer erhält welche Rechnung an unserem Tisch? Der Kellner wusste es jedenfalls nicht mehr, was allgemeine Heiterkeit auslöste. Spät nachts um 1:00 Uhr zwang uns dann noch ein heftiges Gewitter Wanderschuhe und Strümpfe ins Trockene zu holen.

 

 

 

 

 

 

 

Der Orkan "Quimburga" hatte 19.11.2004 große Waldgebiete zerstört

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch im Sommer 2007 war man dabei die Sturmschäden zu beseitigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wellness war im Hotel Eland angesagt

Freitag 24.08. Pieninský Národný Park (Pieninen Nationalpark)

Flößer, polnische Riviera und ein Canyon

Heißes und damit ideales Wetter für eine Floßfahrt.
Kurz nach acht Uhr fuhr uns die Inhaberin des Hotels Eland mit einem Kleinbus zur Floßanlegestelle an den Dunajec, etwas stromaufwärts von
Červený Kláštor (Rotes Kloster). Der Dunajec (Dunajetz)  bildet ca. 17 km die Grenze zwischen der Slowakei und Polen. Genau in der Flussmitte verläuft die Grenze.
An der Anlegestelle lagen 10 Flöße. Sie bestehen aus fünf schmalen, langen ausgehöhlten bootsähnlichen „Trögen“, die am Bug und am
Vor dem Ort Cerveny Klastor werden die Boote zusammengestelltHeck mit Seilen verbunden werden und auf diese Weise das Floß bilden. Die slowakischen Flößer sind in einer goralischen Tracht mit bunt bestickter Weste und einem schwarzen Hut gekleidet. Sie benutzen keine Paddel, sondern Stangen zum Staken. Einer steht am Ruder am Heck und der andere vorne am Bug. Insgesamt sind 14-16 Personen auf dem Floß. Der Fluss war etwa 40-70 cm tief, wobei sich flachere und tiefere sowie langsame und schnellere Wasserbereiche abwechseln. Ängstlichkeit ist fehl am Platze, zumal, wie sich schnell zeigen sollte, die Flößer ihr Handwerk verstehen. Schon als wir noch am Ufer standen, tauchten auf dem Fluss plötzlich voll besetzte polnische Flöße auf. Rasch war auch durch zwei Busse die Zahl der Wartenden an unserem Abfahrtsplatz auf etwa 70 angewachsen.Der Dunajec (Dunajetz) wird sowohl von polnischen als auch slowakischen Flößen befahren Gleich darauf erfolgten die Zuteilung  zu den Flößen.
Mit wenigem gekonnten Staken waren wir in der Flussmitte, wo das Floß von der Strömung mitgerissen wurde. Vor uns und hinter uns waren sowohl polnische als auch slowakische Flöße, erkennbar an den unterschiedlichen Trachten der Flößer. Während sich die Fahrgäste häufig zuwinkten und grüßten, fiel auf, dass zwischen den polnischen und slowakischen Flößern keine Worte oder Begrüßungsgesten gewechselt wurden.
Auch Flöße aus Polen befahren den Fluss Dunajec (Dunajetz)Leider war die Führung auf unserem Floß nur auf Slowakisch. Schon nach 10 Minuten war Červený Kláštor erreicht. Eine mit EU-Mitteln finanzierte Fußgänger- und Fahrradbrücke verbindet hier Polen mit der Slowakei.  An beiden Ufern befinden sich Campingplätze, die vor allem auf polnischer Seite gut besucht waren. Wenig später waren besonders viele Badeurlauber am Ufer, im Wasser und auf einer Liegewiese. Unser Führer bezeichnete dieses Teilstück als die „polnische Riviera“. Einzelne Felsbrocken ragten in Ufernähe aus dem Wasser. Möwen lauerten hier auf Beute. Sogar einen Schwarzstorch konnten wir an einer Bacheinmündung entdecken. Anscheinend findet er hier noch ausreichende Lebensbedingungen vor. Der Berg Tri Koruny (slow.)bzw. Trzy Korony (poln.) - Dreikronenberg - ist bereits auf polnischem Staatsgebiet

Vor uns zeigten sich auf der polnischen Seite drei markante hohe Felsspitzen, die Tri Koruny (Dreikronenberg) 982 m und etwas später die sieben Mönche.
Als eine einsame ältere Holzvilla in schöner Aussichtslage am linken Ufer auftauchte, behauptete der Floßführer, hier hätte Adolf Hitler und Eva Braun einmal übernachtet.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

Übersichtskarte Pieninský Národný Park (Pieninen – Nationalpark)

 

 

 

 

Vor Červený Kláštor werden die Flöße zusammenmontiert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 90 minütige Floßfahrt auf dem Dunajec (Dunajetz) kann beginnen!

 

 

 

 

 

 

 

Wir waren an diesem Tag auf dem Fluss Dunajec nicht allein unterwegs

 

 

 

Legende von den 7 liebestollen Mönche

 

 

 

 

Der  Tri Koruny (Dreikronenberg) ist auf polnischem Gebiet.

Kalksteinwände sind vor allem auf polnischem Gebiet entlang des Dunajec (Dunajetz) zu sehenDer Dunajec verlässt hier das flache Gelände und kurz darauf fließt er durch einen der größten Canyons in Mitteleuropa. Rechts und links bilden felsige Steilhänge das Ufer. Rechts verläuft jedoch noch neben dem Fluss eine Fahrstraße, auf der Radfahrer, Fußgänger unterwegs waren. Gruppen von Stockenten näherten sich beim Vorbeifahren den Flößen, um etwas Essbares zu ergattern. Gelegentlich geriet das Floß in schnelleres Wasser, Wasserspritzer und überschwappendes Wasser sorgten für Gaudi. Nach etwas mehr als 9 km erreichten wir die Anlegestelle in der Nähe des Ortes Lesnica. Direkt am Ufer befindet sich ein Wachhäuschen und zwei Grenzbeamte kontrollieren die Personalausweise von Grenzgängern.
Am Ende des Dunajec-Canyons war ein Grenzübergang zwischen Polen und der Slowakei. Ein Bild mit Seltenheitswert.Eines nach dem anderen legten die slowakischen Flöße am Ufer an, die polnischen fuhren weiter abwärts nach Polen hinein.
Eine Gruppe Zweierkajaks erreichte jetzt auch ihr Ziel, wobei ein Kajak umkippte und die beiden nun nassen Insassen durch das schadenfrohe Gelächter der Zuschauer doppelt bestraft waren.

Wer wollte, konnte jetzt auch mit bunten Pferdekutschen Richtung Lesnica (Leschnitz) weiterfahren. Kurz vor dem Ort erwarten den Touristen Feststimmung in Restaurants mit Spießbraten und Kesselgulasch am offenen Feuer und jede Menge Souvenirläden. Vier junge Musiker, in Goralen-Tracht gekleidet, heizten die Stimmung mit volkstümlicher Musik immer wieder an. Wir zogen es vor, dem Trubel zu entfliehen und aßen gemütlich in einer kleinen Gaststätte in Lesnica (Leschnitz) zu Mittag. Das sonnige 25 ° C warme Wetter war auch für den Rückweg, eine zweistündige Wanderung, ideal. Anfangs ging es steil hinauf auf einen bewaldeten Höhenrücken. Das schöne Wetter hatte auch Der Dreikronenberg vom Wanderweg oberhalb des Flusses aus gesehenzahlreiche andere Wanderer in die Natur gelockt. Leicht abwärts marschierten wir dann in einem Buchenwald weiter. Immer wieder gab es schöne Ausblicke, vor allem auch in den Dunajec-Canyon. Sogar die besetzten Flöße waren zu sehen. Über einen Serpentinenpfad gelangten wir dann an eine Fahrstraße und  nach einem Kilometer war unser Ziel, das Červený Kláštor (Rote Kloster) erreicht, das Kloster besitzt rote Ziegel, daher der Name.

Mit dem Linienbus fuhren wir nach der Klosterbesichtigung ins Hotel Eland zurück. Hier genossen wir wieder das gehobene Ambiente und die Annehmlichkeiten des guten Hotels.

 

 

Einer der größten Canyons in Mitteleuropa: Der Canyon-Dunajec

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Bild mit Seltenheitswert: Sommer 2007 polnische Grenzkontrolle am Fluss Dunajetz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Rückweg von Lesnica zum Červený Kláštor (Roten Kloster)

Samstag 25.08. Spišská Stará Ves (Zipser Altendorf)
                             
 Vyšné Ružbachy (Oberrauschenbach)

Versteckte Wildererpfade, ein 6-Kilometerschritt und Diskolärm die ganze Nacht

Auch heute war uns Petrus wieder hold. Warmes, trockenes Wetter mit guter Fernsicht.

Beste Bedingungen für die bevorstehende geplante 6-stündigen Wanderung. Nachdem wir uns mit Proviant versorgt hatten, fuhren wir mit dem Linienbus bis zum Magurské sedlo (Auf der Huhl) 949 m.
Am Magurske sedlo setzten wir unsere Wanderung auf dem Kammweg fortAn einem großen Holzkreuz machten wir ein Gruppenbild und liefen dann auf einem geteerten Weg ca. 40 Minuten abwärts. Es herrschte ausgezeichnete Fernsicht auf das waldreiche Umland. Am Sedlo Toporecké angelangt, ging es gleich darauf etwa 30 Minuten einen verschlammten Pfad hinauf zum Gipfel des  Kameniarka (935 m). Oben auf der Hochfläche war weder rechts noch links noch geradeaus ein Wanderzeichen zu entdecken. Wir entschieden uns für den Weg abwärts, mussten aber nach 1 km feststellen – da immer noch kein Wanderzeichen zu sehen war - dass wir uns verlaufen hatten. Wieder zurück, hinauf zum Kameniarka, war die einzige sinnvolle Fortsetzung. Oben blieb die Suche nach allen Richtungen wiederum erfolglos. Mit Büschen völlig zugewachsene Pfade konnten nicht die richtige Strecke sein. So blieb uns nur noch der Schlammpfad hinunter, den wir schon herauf gewandert waren.
Ziemlich weit unten führte ein schmaler Querweg nach links. Hier vermuteten wir jetzt die richtige Richtung. Bald trafen wir auf zwei Männer mit zwei Buben, die Holz abseits vom Weg auf einen alten
Harald auf dem Kammweg der Zipser Magura russischen LKW luden. Einer der Männer versuchte 10 Minuten lang, er sprach nur Slowakisch, uns den richtigen Weg zu erklären. Klar wurde nur, dass wir wieder zurück mussten. Erneut standen wir 20 Minuten später wieder auf dem Berg Kameniarka. Hier versuchten wir links unser Glück.
Etwa zwei Kilometer kämpften wir uns im dichten Fichten- und Buchengebüsch voran. Keiner glaubte mehr an die Möglichkeit, den richtigen Weg zu finden. Da rief Harald auf einmal, er habe das blau-weiße Wanderzeichen wieder gefunden. Und tatsächlich von links unten führte der richtige Wanderpfad herauf. Wir hätten viel weiter unten links beim Aufstieg abbiegen müssen. 1,5 Std. waren wir auf den falschen Wegen unterwegs gewesen.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

Die Region Zips

 

 

 

 

Gruppenbild am Magurské sedlo. Hier setzten wir unsere Wanderung auf dem Kammweg fort.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Scout Harald hatte das Wanderzeichen wieder gefunden

Auch die weiteren teilweise sehr engen und mit umgestürzten Bäumen versperrten Pfade erforderten alle Aufmerksamkeit. Trotzdem gönnten wir uns eine halbstündige Rast. Gut erholt marschierten wir weiter auf zugewachsenen Pfaden durch dichtestes Gebüsch und über Bergwiesen. Für Wilderer und Schmuggler ein sehr geeignetes Terrain. Mehrfach flüchteten Rehe vor uns. An einigen Abzweigungen fehlten wiederum die blau-weißen Wanderzeichen. Kurz vor Vysne Ruzbachy begegneten uns Brombeer-SammlerinnenZeitaufwendiges Suchen war die Folge. Mitten im tiefsten Brombeergestrüpp erschreckten uns zwei Brombeersammlerinnen. Im ersten Moment dachte ich, ein Braunbär nähere sich. Zwei große Eimer hatten sie bereits voll gesammelt. An einer großen Wegkreuzung erwartete uns ein weiterer Schrecken. Noch 2,5 Std. zeigte ein Wegzeichen bis zu unserem Tagesziel Vyšné Ružbachy (Ober-Rauschenbach)  an, und es war mittlerweile schon 16:30 Uhr. Automatisch beschleunigte jeder seinen Schritt. Sechs Kilometer in der Stunde sind bei uns durchaus möglich, wenn der Weg gut gekennzeichnet und eben ist oder abwärts führt. Dies war jetzt der Fall und nach einer Stunde war schon eine erhebliche Teilstrecke bewältigt. Schon nach einer weiteren dreiviertel Stunde sahen wir die ersten Häuser außerhalb von Vyšné Ružbachy (Ober-Rauschenbach). Der Kratersee in Vysne Ruzbachy (Oberrauschenbach) hat 23 Grad warmes WasserHier genossen wir nach den Tagesstrapazen - 8,5 Std. waren wir heute auf Schusters Rappen unterwegs - an einem Kiosk neben einem großen Schwimmbad ein frisches Bier.
Vyšné
Ružbachy ist Kur- und Heilbad. Große Hotels mit gepflegten Parks erwarten den Kurgast. Übernachtet wurde im Hotel Travertin I im vierten Stock. Abends machten wir einen Bummel ins Dorf. Ein natürlicher Kratersee zählt mit zu den Hauptattraktionen des Ortes.

Wir kehrten in eine Koliba (Holzblockhütte bewirtschaftet) ein. Einem dicken betrunkenen Mann halfen wir wieder auf die Beine.Eine slowakische Volksmusikgruppe in der Koliba in Vysne Ruzbachy (Oberrauschenbach) Vier junge Musiker (2 Geiger, 1 Akkordeon- und 1 Kontrabassspieler) spielten und sangen slowakische Volkslieder. Speziell für uns an unserem Tisch erklang „Trink, trink Brüderlein trink…“ und „Kalinka“.

Nur mit Ohrenstöpseln von Dirk konnten wir dann später im Hotel einschlafen.
Im "Kurort" Oberrauschenbach rauschten uns vom presslufthammermäßigen Sound der Techno-Musik bis morgens früh die Ohren.  Der ganze Kurort wurde dadurch terrorisiert. Unglaublich in einem Kurort, wo Ruhe und Erholung von den Kurgästen erwartet wird. Doch die Kurgäste waren sehr leidensfähig; am nächsten Morgen kurz von 8:00 Uhr standen schon wieder die Scharen übernächtigter Leidensgenossen vollzählig vor dem "Weißen Haus" an, um das Frühstücksbuffet zu stürmen.

 

 

 

 

 

Brombeer-Sammlerinnen auf dem Kammweg nach Vyšné Ružbachy

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Attraktion in
 
Vyšné Ružbachy (Oberrauschenbach)
- der Travertínové jazierko Kráter (Kratersee)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine slowakische Musikgruppe unterhielt die Gäste in der Koliba

Sonntag 26.08. Vyšné Ružbachy (Oberrauschenbach)
                             
 Stará Ľubovňa (Alt-Lublau)

Versteckte Kronjuwelen, Plattenbauten und die Perle der Zips

Bereits 45 Minuten nach dem umfangreichen Frühstücksbuffet fuhren wir mit dem Bus ins 4 km entfernte Nižné Ružbachy (Unterrauschenbach). Vorbei an einer großen Kirche, der Gottesdienst war gerade zu Ende und zahlreiche Kirchenbesucher standen noch in Gruppen zusammen und musterten uns neugierig. Wir marschierten zügig zum Ortsausgang. Ein kleines Stück ging es hier dann am Fluss Poprad entlang. Zwei Fischer hatten hier schon ihre Angeln ausgeworfen. Stockenten und ein Fischreiher suchten Beute im Uferbereich. Kurz darauf führte uns das rote Wanderzeichen über die Flussbrücke. Durch Wiesen und Felder erreichten wir nach 2 Kilometern Fichten- und Tannenwald. Hier liefen wir im Sechs-Kilometer-Schritt auf einer sanft ansteigenden Teerstraße hinauf zum 883 m hohen Kotník.

An dem Rundfunk- und Fernsehsendemast am Berg Kotník gönnten wir uns dann die erste Pause. Ich war nass geschwitzt und wechselte das Unterhemd. Bei dem sonnigen Wetter erwies sich der jetzt waagrecht verlaufende Kammweg als sehr bequem zu laufen und erinnerte an Touren im Odenwald. Immer wieder ergaben sich schöne Ausblicke auf Täler und Berge der Umgebung.
Aussichtsreicher Kammweg kurz vor Stara Lubovna (Alt-Lublau)Auch den verlockenden Brombeeren direkt am Wegesrand konnte keiner von uns widerstehen. Etwa eine halbe Stunde lang genossen wir immer wieder die köstlichen Früchte. Sie hingen so hoch am Strauch, dass sie von einem Fuchs nicht erreicht werden konnten. Der Fuchsbandwurm war daher nicht zu befürchten.
Gelegentlich begegneten wir auch einheimischen Wanderern, die ebenfalls Brombeeren zu schätzen wissen. Hinter einer großen Wiese und einem einsamen Haus gelangten wir an eine große Wegekreuzung (Patria 868 m). 40 Minuten später bot sich uns vom Waldrand aus ein überwältigender Blick auf einen Talkessel mit der Stadt Stará Ľubovňa
(Alt-Lublau) und auf die umliegenden Felder, Wiesen und Waldgebiete. Direkt oberhalb der Stadt Stará Ľubovňa,
Die Burg von Stara Lubnova (Alt-Lublau) wurde zur Absicherung der ungarischen Nordgrenze im 13. Jh. gebaut uns gegenüber, war die gut erhaltene Burg Hrad Ľubovňa (1302 – 1308) auf einem Felsen über dem Fluss Poprad gelegen, zu sehen. Die Burg diente als Sicherung der nördlichen Grenze  Ungarns. Der Ungarnkönig Sigismund von Luxemburg war finanziell in Schwierigkeiten und lieh sich 1412 Geld vom polnischen Herrscher Wladislaw II. Als Sicherheit wurden die Stadt und die Burg für 370 Jahre an Polen verpfändet.

1655-1667 waren in der Grenzfestung die polnischen Königsschätze (auch Kronjuwelen) versteckt, da die Schweden Polen besetzt hielten.

Eine halbe Stunde lang genossen wir die schöne Aussicht, bevor es abwärts über Wiesen und an Feldrändern entlang weiterging. Hinter einem kleinen Wald tauchten bald darauf „Chatas“ mit schön angelegten Gärten auf. Chatas, gesprochen mit kehligem „ch“-Laut, sind Datschen, auch Wochenendhäuschen, aus Holz gebaut. Jeder Stadtbewohner hätte gerne eine und wer eine besitzt, flüchtet am Wochenende oder im Sommer dorthin.
Stara Lubnova (Alt-Lublau) wird von einem unschönen Neubaugebiet verschandeltJetzt, am Rande der Stadt, bot sich aber auch ein wenig ästhetischer Anblick auf Plattenbauten. In der Slowakei sind sie ein gewohnter Anblick an der Peripherie der Städte. Um nach dem zweiten Weltkrieg möglichst schnell Wohnraum zu schaffen, wurden in der damaligen Tschechoslowakei 92 % aller Staats- und Genossenschaftswohnungen in dieser äußerlich eintönigen Bauweise errichtet. In Žilina gibt es sogar heute noch einen Betrieb, der die Platten produziert. Auch die zwei größten Arbeitgeber der Stadt, auf meine Nachfrage später im Bus sagte ein Mann, es seien ein Schrauben- und ein Maschinenhersteller, sind hier in der Nachbarschaft der Plattenbauten angesiedelt. Zwei große Schornsteine älterer Bauart überragen sogar noch die Plattenhochhäuser.

Nach einem Kilometer war die Plattenbausiedlung durchquert und wir gelangten in die Innenstadt mit relativ wenig Verkehr. In einem Eiscafé gönnten wir uns eine Portion Eis. Eine Kugel kostete 6 skr (18 cts) und war damit für uns sehr preiswert, aber dennoch geschmacklich sehr gut. In einem nahe gelegenen Park mit Bäumen, Bänken und einem großen Springbrunnen ruhten wir uns noch eine weitere Stunde aus. Zur vollen Stunde erklang von einem Kirchturm ein Glockenspiel. Zwei kleinen Romamädchen spendierte ich ein Eis.

20 Minuten dauerte später der Weitermarsch zur Bushaltestelle am Bahnhof. Der Bus war gerammelt voll und wir waren froh, als wir nach einer halben Stunde Fahrt am Poprader Bahnhof ausstiegen. Poprad (Deutschendorf) ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt. Neben der Eisenbahn fahren auch noch über 36 Busse von den Haltestellen des Busbahnhofs zu allen größeren Städten des Landes. Während unseres Aufenthalts am Busbahnhof sah ich zwei Romajungen Plastikflaschen aus den Müllkübeln sammeln. Der eine trank sogar noch aus Flaschen, in denen sich noch Flüssigkeitsreste befanden.

UHotel Arkada in Levoca - direkt am Hauptplatz gelegennser nächstes Fahrtziel war die Perle der Zips: Levoča (Leutschau), eine der unbestritten schönsten Städte der Zips und der Slowakei. Die heutige Kleinstadt bietet dem Besucher eine Vielzahl an kunsthistorischen Schätzen. Mittelpunkt der Stadt ist der Námestie Majstra Pavla (Meister-Paul-Platz), nach dem berühmtesten Künstler der Region benannt.
Blickfang sind hier das Rathaus, die mächtige St. Jakobs-Kirche, die evangelische Kirche und ein kleiner Park. Eingerahmt wird der Platz von zahlreichen Adels- und Bürgerhäusern. Wir übernachteten in dem empfehlenswerten Hotel „ARKÁDA“, das direkt am zentralen Platz steht. Früher war in dem Gebäude die Druckerei der Gebrüder Brewer und 1685 wurde hier in vier Sprachen das berühmte Werk des Pädagogen Comenius „Orbis pictus“ (Illustrierte Welt) gedruckt.

Unterkünfte und Wanderstrecke

 

Weitere Bilder
von der Wanderung

 

Die Region Zips

 

 

 

Bilder von der Wanderung auf polnischer Seite

 

 

 

 

Von Nižné Ružbachy bis Stará Ľubovňa ein "Traumweg" mit tollen Aussichten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hrad Ľubovňa diente der Sicherung der Nordgrenze Ungarns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Plattenbauten von Stará Ľubovňa grüßen in der Ferne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingangsschild zum Hotel Arkáda in Levoča (Leutschau)

2. Teil des Berichts: Durch die  Zips und Slowakischem Paradies  

 

Wanderbericht: Von der West-Tata und Mala Fatra

 

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